Plattenwechsel – WIR in Aktion

Johannstädter Kulturtreff | © Julia Weigel

Im Fördergebiet Nördliche Johannstadt in Dresden ist ein Ersatzbau für den aktuellen Johannstädter Kulturtreff (JOKT) als Stadtteilhaus geplant. Dieser wird an zentraler Stelle mit kleinem Garten entstehen. Der Neubau soll von Beginn an bei allen Bewohner*innen bekannt sein und ihnen Möglichkeiten zur Beteiligung auf verschiedenen Ebenen geben. Dies soll unter anderem geschehen durch Künstlerische Utopiewerkstätten und die Neugestaltung des Bönischplatz unter Mitwirkung der Bürger*innen.

 

Situation vor Ort

Eine Struktur von anonymen Großwohnsiedlungen kennzeichnet das Fördergebiet Nördliche Johannstadt mit teils mehr als 40 Haushalten je Hauseingang. Die Bevölkerungsstruktur setzt sich aus einer hohen Anzahl an Erwerbslosen, Sozialleistungsempfängern (27,2% vs. 11,2% LHD), älteren Menschen (>65J.: 37,5% vs. 21 ,6% LHD), Migrant*innen (27% vs. 10% LHD) und Geflüchteten zusammen. Die Heterogenität der Bewohnerschaft führt oft dazu, dass Menschen in ihren Bezugsgruppen bleiben und kaum miteinander in Kontakt treten. So kommt es schnell zur Entstehung von Vorurteilen und Vereinsamung. Handlungsbedarf besteht darin, neben den bereits aktiven und engagierten Bewohner*innen die schwer erreichbaren Zielgruppen für die Teilhabe an kulturellen Angeboten, Beteiligungsprozessen und Begegnung zu gewinnen.

 

Die Idee

Es gehört zum soziokulturellen Verständnis, Kulturangebote für alle Bevölkerungsgruppen zugänglich zu machen. Die Hauptmotivation liegt darin, den Übergang vom alten Vereinshaus zum neuen Stadtteilhaus als Chance zu sehen, gemeinsam mit den Anwohnern und Netzwerkpartnern zu gestalten und die Bewohnerschaft bei der Umgestaltung der Angebote intensiv einzubinden. Ziel ist die Verbesserung der Lebensqualität für alle Bewohnergruppen durch Beteiligung, sodass z.B. Diversität im Wohnviertel nicht als Bedrohung angesehen wird. Hier kann mit Kunst und Kultur ein Zugang der Beteiligung geschaffen werden. Über gemeinsame Aktivitäten und Teilhabe an Angeboten kann der Zusammenhalt im Stadtteil gestärkt werden. Zudem sind die Erarbeitung einer Strategie zur Erreichung der im Fördergebiet lebenden Migrant*innen und eine genaue Zielgruppenansprache notwendig.

 

Aktivitäten und Veranstaltungen

Insbesondere sollen sozial und finanziell benachteiligte Bevölkerungsgruppen erreicht werden. Für diese Gruppen gibt es häufig sprachliche und finanzielle Barrieren, die eine mögliche Beteiligung von vornherein erschweren bzw. unmöglich machen. Außerdem sollen durch Kunst und Kultur kommunikative Potentiale aufgegriffen und mit diesen Prozessen, Raum für Differenzen und Spannungen gegeben werden, welche verbal nur schwer fassbar sind. Dies stellt eine Schlüsselfunktion bei der gesellschaftlichen Integration dieser Bevölkerungsgruppe dar. Abgesehen von den klassischen Bedarfserhebungswerkzeugen, sollen hierzu vor allem mobile Formate zur künstlerischen Bedarfsermittlung genutzt werden, wie zum Beispiel:

  • Künstlerische Utopiewerkstätten
    Angelehnt an Olafur Eliassons Kunstprojekt „The Cubic Structural Evolution Project“ (2018) geht es um eine Utopie des Ortes. An unterschiedlichen Stellen im Stadtteil bekommen die Teilnehmenden Materialien, mit denen sie ihre Utopie eines Stadtteilhauses gemeinsam in eine Form bringen können. Die Ergebnisse können ggf. in die zukünftige Angebotsstruktur des Kulturtreffs mit einfließen.
  • Bönischplatz als zentraler Ort
    Der Bönischplatz ist ein zentraler Ort im Stadtteil. Seine Neugestaltung erfolgt unter Mitwirkung der Bürger*innen. Durch die Umgestaltung entstehen neue Nutzungsmöglichkeiten (z.B Wochenmarkt), durch die eine ideale Plattform für partizipative künstlerische Ermittlungsaktionen entsteht. Zusätzlich sollen künstlerische Aktionen in Treppenhäusern und Hausfluren von Wohnhäusern zur Erreichung der Bewohnerschaft durchgeführt werden.

Außerdem die Durchführung von Projekten wie:

  • Generationenübergreifende Workshopreihe
    Erlernen von altem, traditionellen Handwerk durch z.B.: Zurückgreifen auf Experten aus Bereichen wie Klöppeln, Holzschnitzen, u.a.
  • Sommerkino und Wohnzimmerkonzerte
  • Öffentliche Stadtgalerie
    Künstlerisch tätig werden in Form von haptischer Gestaltung der Wände im alten Stadtteilhaus und Gesprächsrunden zum Thema „Stadtraum“
  • Lichtinstallation „Crossing Johannstadt“
    Light Mapping (vgl. Anthony McCall „Crossing the Elbe“ 2013). Für Aufmerksamkeit im ganzen Stadtteil, sinnbildlich für die Verbindung des Alten mit dem Neuen und von Erinnerung mit Zukunft.
  • Stadtteilspaziergänge mit künstlerischen Elementen

 

Johannstädter Kulturtreff | © Julia Weigel

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