Plattenwechsel – WIR in Aktion

Johannstädter Kulturtreff | © Julia Weigel

Der Umzug vom aktuellen Standort des Kulturtreffs in einen geplanten Neubau bietet die Chance für die Anwohner*innen, sich mit eigenen Ideen und Angeboten in die programmatische Gestaltung des Hauses einzubringen und in Workshops Elemente für Innen- und Außeneinrichtung herzustellen. Niedrigschwellige künstlerische Beteiligungsmethoden, z.B. Sommerkino im Stadtteil, ein offenes Chorprojekt oder mobile Erzählstationen, stärken die Identifikation der Bewohner*innen mit dem Quartier und dem Verein. Ziel ist die Erzeugung von Selbstwirksamkeit über die partizipative Einbindung der Bewohner*innen in das Stadtteilgeschehen.

 

 

Situation vor Ort

Eine Struktur von anonymen Großwohnsiedlungen kennzeichnet das Fördergebiet Nördliche Johannstadt mit teils mehr als 40 Haushalten je Hauseingang. Die Bevölkerungsstruktur setzt sich aus einer hohen Anzahl an Erwerbslosen, Sozialleistungsempfängern, älteren Menschen, Migrant*innen und Geflüchteten zusammen. Die Heterogenität der Bewohnerschaft sowie der Mangel an öffentlichen Plätzen führt dazu, dass Menschen in ihren Bezugsgruppen bleiben und kaum miteinander in Kontakt treten. Das bedingt die Entstehung von Vorurteilen und Vereinsamung. Handlungsbedarf besteht darin, neben den bereits aktiven und engagierten Bewohner*innen die schwer erreichbaren Zielgruppen für die Teilhabe an kulturellen Angeboten, Beteiligungsprozessen und Begegnung zu gewinnen und langfristig an den Verein zu binden. Für den Johannstädter Kulturtreff wird an zentraler Stelle im Fördergebiet ein neues Stadtteilhaus gebaut. Über die partizipativen Angebote sollen Möglichkeiten der Beteiligung am Neubau auf verschiedenen Ebenen geschaffen werden.

 

Die Idee

Es gehört zum soziokulturellen Verständnis, Kulturangebote für alle Bevölkerungsgruppen zugänglich zu machen. Die Hauptmotivation liegt darin, den Übergang vom alten Vereinshaus zum neuen Stadtteilhaus als Chance zu sehen, gemeinsam mit den Anwohner*innen und Netzwerkpartner*innen zu gestalten und die Bewohnerschaft bei der Umgestaltung der Angebote intensiv einzubinden. Ziel ist die Verbesserung der Lebensqualität für alle Bewohnergruppen durch Beteiligung, sodass z. B. Diversität im Wohnviertel nicht als Bedrohung angesehen wird. Über gemeinsame Aktivitäten und Teilhabe an Angeboten kann der Zusammenhalt im Stadtteil gestärkt und über Kunst und Kultur ein spielerischer Zugang zum Stadtteilgeschehen geschaffen werden.

Insbesondere sollen sozial und finanziell benachteiligte Bevölkerungsgruppen erreicht werden. Für diese Gruppen gibt es häufig sprachliche und finanzielle Barrieren, die eine mögliche Beteiligung von vornherein erschweren bzw. unmöglich machen. Außerdem sollen durch Kunst und Kultur kommunikative Potentiale aufgegriffen und mit diesen Prozessen, Raum für Differenzen und Spannungen gegeben werden, welche verbal nur schwer fassbar sind. Dies stellt eine Schlüsselfunktion bei der gesellschaftlichen Integration dieser Bevölkerungsgruppe dar. Abgesehen von den klassischen Bedarfserhebungswerkzeugen sollen hierzu vor allem mobile Formate und Aktionen zur künstlerischen Bedarfsermittlung genutzt werden, wie zum Beispiel:

  • KOMM RUM – mobile Erzählstationen
    Im Quartier mangelt es an Möglichkeiten der Kommunikation und des Erzählens. Aus diesem Grund sollen in partizipativen Workshops drei verschiedene Erzähl- und Begegnungselemente entstehen, die aufgrund ihrer Mobilität flexibel im Stadtraum einsetzbar sind. Die Erzählstationen sind Pop Up-Begegnungsorte und – wegen ihres dokumentarischen Charakters – ideale Instrumente zur Bedarfsanalyse zugleich. Aufnahmegeräte, Fragenfächer, Postkarten und ein beschreibbarer Erzähltisch ermöglichen es, Begegnung und Austausch unter Bewohner*innen zu fördern sowie persönliche Geschichten und Erinnerungen  oder auch Wünsche, Vorstellungen und Fragen zu sammeln, die wiederum z. B. im Stadtteilmagazin publiziert werden können und damit ein größeres Publikum erreichen.
  • Bönischplatz als zentraler Ort
    Der Bönischplatz ist ein zentraler Ort im Stadtteil. Seine Neugestaltung erfolgt unter Mitwirkung der Bürger*innen. Durch die Umgestaltung entstehen neue Nutzungsmöglichkeiten (z. B. Wochenmarkt), die eine ideale Plattform für partizipative künstlerische Ermittlungsaktionen ermöglichen. Zusätzlich sollen künstlerische Aktionen in Treppenhäusern und Hausfluren von Wohnhäusern zur Erreichung der Bewohnerschaft durchgeführt werden.

Außerdem werden folgende Projekte durchgeführt:

  • Generationenübergreifende Workshopreihe
    Erlernen von altem, traditionellen Handwerk durch z. B. Zurückgreifen auf Experten aus Bereichen wie Klöppeln, Holzschnitzen, u. a.
  • Johannstädter Plattenchor zur musikalischen Erforschung des Stadtteils
  • Stadtteilmagazin
    Künstlerische Printversion als Ergänzung zum Stadtteilblog johannstadt.de
  • Stadtteilspaziergänge mit künstlerischen Elementen
  • Sommerkino für Jugendliche im Stadtteil
  • Utopie-Werkstätten
    Künstlerische Umsetzung des Beteiligungsprozesses zum neuen Stadtteilhaus
  • u. v. m.

 

Johannstädter Kulturtreff | © Julia Weigel

Kontakt

DRESDEN: MEIKE WEID

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Meike Weid ist die Projektleiterin des Projekts Plattenwechsel – WIR in Aktion des Johannstädter Kulturtreffs in Dresden.

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