Hier im Quartier

Ziel ist die Stärkung der Anwohner*innen, indem ihnen durch kreative Ausdrucksmöglichkeiten eine weitere Stimme verliehen wird. Ob durch aus Fundobjekten gebaute Skulpturen, angeleitet angefertigte Zeichnungen oder mehrsprachige Filmprojekte zu den eigenen Lebensgeschichten – die Palette der möglichen Aktivitäten ist groß und soll im Dialog mit den Bewohner*innen ausgeschöpft werden. Die Bedarfsermittlung erfolgt durch öffentliche Mitmach-Aktionen unter Einbeziehung Kulturschaffender und bestehender Initiativen. Ein Fokus wird auf die Einbindung von Kindern, Jugendlichen und Familien sowie Anwohner*innen aus den türkischen und osteuropäischen Communities gelegt, wenngleich die Angebote für alle Menschen aus dem Projektgebiet offen sind.

 

 

Situation vor Ort

Die drei nördlichen, aneinandergrenzenden Stadtteile Nord-Holland, Rothenditmold und Wesertor gelten als strukturschwache Stadtteile. Viele Familien verfügen über eingeschränkte finanzielle Möglichkeiten und leben in beengten Wohnverhältnissen. Ungefähr jeder Sechste ist arbeitslos (15,3 bis 17,5 %), und jeder vierte bis dritte der Bewohner*innen zudem verschuldet (25,8 bis 32,6 %). Das sind Höchstwerte im gesamtstädtischen Vergleich. Der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund – mit und ohne deutsche Staatsbürgerschaft – liegt in den Stadtteilen zwischen 56,8 % und 63,5 %. Die drei jüngsten Stadtteile Kassels mit einem Durchschnittsalter von ca. 36 Jahren werden von mehreren Hauptverkehrsachsen geteilt. Mittlerweile spielen Gentrifizierungsprozesse in den Stadtteilen eine immer stärkere Rolle. Die Erweiterung der Universität im Stadtteil Nord-Holland bringt zum einen neue Impulse, trägt auf der anderen Seite aber zur Fluktuation im Stadtteil bei, da bisherige Anwohner*innen verdrängt werden. Der Aufbau einer Stadtteilidentität gestaltet sich schwierig.

 

Die Idee

Die Aktivitäten von „Hier im Quartier“ des Kulturzentrum Schlachthof Kassel möchten etablierte und neue Bewohner*innen alters- und kulturübergreifend zusammenbringen, soziale Problemlagen aufgreifen und durch künstlerische und mediale Ansätze zu einer Verbesserung der Verhältnisse und des Zusammenlebens beitragen. So sollen neue Orte des Miteinanders entstehen und öffentlicher Raum belebt werden. Obwohl der Anspruch ist, alle Alters- und Bevölkerungsgruppen einzubinden, sollen insbesondere auch Migrant*innen aus Südosteuropa angesprochen werden, da diese in den Stadtteilen den geringsten Kontakt zu anderen Anwohner*innen-Gruppen haben. Dies trifft ebenfalls auf die bestehende Struktur aus Vereinen der türkischen Community zu. Ein weiterer Fokus wird auf die Einbindung von Kindern, Jugendlichen und Familien gelegt.

 

Aktivitäten und Veranstaltungen

Um die Bedarfe im Stadtteil zu ermitteln, Aufmerksamkeit auf das Projekt zu lenken und die Bewohner*innen über das Projekt zu informieren und zur Teilhabe einzuladen, werden unterschiedlichste künstlerische Aktionen umgesetzt.

Die einzelnen Teilmaßnahmen werden erst im Rahmen der partizipativen Bedarfserhebung festgelegt. Folgende Formate sind dabei angedacht:

  • Durch Stadtteilerkundungen, bei denen die Bewohner*innen mit Mikrofonen und Kameras begleitet werden, können Erfahrungen über das Leben und die Potenziale im Stadtteil herausgearbeitet werden. Die Resultate werden fortlaufend bei Ausstellungen oder in Filmvorführungen präsentiert.
  • Aus von den Stadtteilbewohner*innen gesammelten Baumaterialien werden Skulpturen an öffentlichen Plätzen hergestellt und präsentiert. Der Prozess des gemeinsamen Bauens und das Arbeiten im öffentlichen Raum ermöglichen Gespräche, auch über das Leben im Stadtteil.
  • Durch die Gründung verschiedener Musikgruppen – z. B. türkische, bulgarische, eritreische, syrische und somalische – wird gemeinsames Musizieren ermöglicht: Es gibt Gelegenheit zum gegenseitigen Kennenlernen, zum gemeinsamen Proben und anschließend zu gemeinsamen Auftritten bei Jam-Sessions oder an öffentlichen Plätzen.
  • In Rahmen von interkulturellen Kochabenden wird die Vielfalt der Stadtteile zum kulinarischen Thema: Es werden Rezepte aus anderen Ländern unter Anleitung der jeweiligen Koch-Expert*innen zubereitet und alle Rezepte anschließend in einem liebevoll gestalteten Kochbuch veröffentlicht.
  • Mit dem Hier-im-Quartier-Videomobil können Filme und Videoinstallationen im öffentlichen Raum gezeigt werden. In vorausgehenden Workshops, z. B. mit den Schwerpunkten Film oder Fotografie, können hierfür die Inhalte erarbeitetet werden, die dann anschließend im Großformat auf Häuserfassaden und ähnlichen Flächen im Stadtteil gezeigt werden können.
  • Über Gespräche mit den Bewohner*innen über geöffnete Fenster oder mit Passant*innen können Gespräche über das Leben im Stadtteil geführt werden, die dann aufgezeichnet z. B. als Podcast oder Audio-Installation verbreitet werden können.

Das Projekt Hier im Quartier ist über ein öffentliches Kulturbüro im Westring 73 in der Kasseler Nordstadt erreichbar. Dort finden neben Beratungsterminen auch Ausstellungen, Aufführungen, Infoveranstaltungen und Projektgruppentreffen statt.

Um verstärkt den öffentlichen Raum zu bespielen verfügt das Projekt mit dem Hier-im-Quartier-Mobil über einen mobilen Video- und Soundwagen, welcher für Filmprojektionen, Interventionen und Aufführungen in der Nachbarschaft konzipiert ist.

Kontakt

KASSEL: GERRIT RETTERATH

Kulturzentrum Schlachthof gGmbH mehr erfahren >>> schließen <<<<

Gerrit Retterath ist Projektleitung des Kasseler Projekts Hier im Quartier des Kulturzentrums Schlachthof e.V.

Tools