Social Body Building

© zeitraumexit e.V.

Im Rahmen von „Social Body Building“ des zeitraumexit e.V. setzen Künstler*innen gemeinsam mit Bewohner*innen des Quartiers ein partizipatives Kunstprojekt um, ein Veranstaltungsraum des Vereins wird zum offenen Begegnungsraum umgestaltet, in der frei zugänglichen Musikschule „Jungbuschensemble“ können die Anwohner*innen unter professioneller Anleitung ein Instrument erlernen. Beim „Social Sunday“ können die Bewohner*innen gemeinsam ein Kunstprogramm genießen und selbst mitgestalten. Kinder und Jugendliche erhalten in den „Jungbusch-Sessions“ die Möglichkeit, ihre Musik unter professioneller Anleitung aufzunehmen und ein Musikvideo dazu zu drehen.

 

Situation vor Ort

Der Jungbusch gilt als das neue Kreativ- und Szeneviertel Mannheims. Gleichzeitig leben in dem Viertel viele Menschen in prekären Verhältnissen. 62 % der Bewohner*innen haben einen Migrationshintergrund, in den vergangenen Jahren hat sich insbesondere der Anteil südosteuropäischer Arbeitsmigrant*innen stark erhöht. Viele der Menschen sind nicht offiziell gemeldet, sie verfügen über wenige bis keine Deutschkenntnisse und können von Angeboten der Verwaltung oder Trägern kaum erreicht werden. Die hinzuziehende „Creative Class“ hat keinerlei Berührungspunkte mit der im Jungbusch ansässigen „Working Class“. Es herrscht eine Koexistenz, die von starker Ungleichverteilung des sozialen und ökonomischen Kapitals und den jeweiligen Interessen geprägt ist. Resultierende Probleme sind z. B., dass viele der alteingesessenen Bewohner*innen von Mieterhöhungen oder Wohnungsverlust bedroht sind. Die Entwicklungen der letzten Jahre führen zu einem starken Misstrauen und Unsicherheiten gegenüber anderen Gruppen vor Ort und Initiativen der Stadtverwaltung.

 

Die Idee

Ziel des Projektes „Social Body Building“ des zeitraumexit (ZRE) ist, das Vertrauen und die Solidarität zwischen den Gruppen im Jungbusch (wieder) herzustellen. Dies soll anhand von künstlerischen Maßnahmen geschehen, die mit Vielsprachigkeit, kultureller Diversität sowie sozialer Ungleichheit umgehen. Ziele und Ideen der Maßnahme sind z. B.:

  • Partizipation und Teilhabe: Die Anwohner*innen werden aktiv in die Arbeit des Vereins mit eingebunden. Regelmäßig finden Plattformen statt, die Raum für Austausch, Diskussion und Kritik bieten. Die Ergebnisse werden gemeinsam mit den Anwohner*innen des Quartiers und einem Nachbarschaftsbeirat ausgewertet und kritisch betrachtet.
  • Offenheit und Vertrauen: Um herauszufinden, wie eine Atmosphäre des Vertrauens hergestellt werden kann, werden Künstler*innen und Wissenschaftler*innen in das ZRE eingeladen, um praktisch, experimentell sowie analytisch zu erforschen, unter welchen Bedingungen Räume zu einem von gegenseitigem Respekt und Vertrauen geprägten Ort werden.
  • Stadt mitgestalten & Empowerment: Die Freiräume in der Stadt sollen durch die Anwohner*innen gestaltet werden. Diese sollen sich als gestaltende Akteur*innen ihres Umfelds wahrnehmen.
  • Vernetzung und Kooperation: Lokale Akteur*innen, Kulturschaffende, die Stadtverwaltung sowie Expert*innen der sozialen Arbeit sollen miteinander vernetzt und die unterschiedlichen Bedarfe und Interessen zwischen den Interessengruppen durch das ZRE vermittelt werden.

 

Aktivitäten und Veranstaltungen

Durch einzelne Formate werden insbesondere die Kinder und Jugendlichen aus dem Quartier, Migrant*innen aus Südosteuropa, Anwohner*innen mit niedrigem Einkommen sowie neu hinzugekommene Bewohner*innen, z.B. Mieter*innen der Immobiliensanierungsprojekte, erreicht.

  • Künstler*innen werden eingeladen, ein langfristiges partizipatives Projekt im Quartier zu realisieren. Dabei stehen die ästhetischen Vorlieben der Anwohner*innen im Vordergrund. Es wurden bereits Video- und Ausstellungsprojekte realisiert, gemeinsam mit Schüler*innen der Jungbuschschule entstand eine Theaterperformance zum Thema Mediennutzung. Für den Sommer 2020 ist – gemeinsam mit Menschen bulgarischer Herkunft – die Arbeit an dem partizipativen Theaterprojekt „Rodina“ geplant.
  • „Foyer“: Ab 2020 wird einer der Veranstaltungsräume des ZRE zum offenen Begegnungsraum erklärt und ganztägig zugänglich. Der Raum wird für jeweils drei Monate durch Architektur, Möbel, bildgebende Verfahren, soziale Aktionen, Aufführungen etc. von Künstler*innen gemeinsam mit Anwohner*innen gestaltet und bespielt. Auch hier stehen die Bedarfe der Bewohner*innen im Vordergrund. Ende 2020 werden die Bewohner*innen unter künstlerischer Anleitung den Sackträgerplatz – den zentralen Begegnungsort im Quartier – umgestalten.
  • „Jungbuschensemble“: Die Bewohner*innen des Quartiers können unter Leitung eines rumänisch-deutschen Musikpädagogen ein Instrument erlernen und bei Konzerten – z.B. im Rahmen des „Social Sunday“ – mitwirken.
  • „Social Sunday“: Bewohner*innen und weitere Akteur*innen des Quartiers werden in regelmäßigen Abständen eingeladen, den Sonntagnachmittag bei ZRE zu verbringen und mitzugestalten. Hier sollen unterschiedliche Bevölkerungsgruppen zusammengebracht werden – sei es im Rahmen eines Tischtennisturniers, um ein Konzert oder Theaterstück zu genießen oder in Form eines eigenen künstlerischen oder kreativen Beitrags.
  • „Jungbusch-Sessions“ & „Corona-Collection“: Bei den „Jungbusch-Sessions“ – der Corona-kompatiblen Version des „Jungbuchensembles“ – können Kinder und Jugendliche unter professioneller Anleitung Musik aufnehmen und ein dazugehöriges Musikvideo drehen. In der „Corona-Collection“ sammelt ZRE Texte, Fotos, Bilder und andere Kunstwerke der Bewohner*innen, die in Zeiten der Corona-Pandemie entstanden sind – und somit das Lebensgefühl der Anwohner*innen widerspiegeln. Die Einsendungen sollen auf den Sozialen Medien oder als Plakatierung im öffentlichen Raum präsentiert werden.

Die Diversität an Lebensstilen und Milieus im Quartier kann durch das Projekt kennengelernt und in einen Austausch miteinander gebracht werden. So soll der Zusammenhalt des Quartiers gestärkt werden.

 

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Kontakt

JAN-PHILIPP POSSMANN

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Jan-Philipp Possmann ist seit 2005 als Dramaturg und Kurator für internationale Performanceprojekte tätig, darunter mehrere Zusammenarbeiten mit David Weber-Krebs und Wilhelm Groener, sowie als Hausdramaturg der Sophiensaele Berlin und Schauspieldramaturg am Nationaltheater Mannheim. Er kuratierte verschiedene internationale Festivals wie Plateaux (Mousonturm Frankfurt), Internationale Schillertage (Nationaltheater Mannheim) und Supercopy (zeitraumexit Mannheim) und entwickelte und leitete Künstlerresidenzen, Ausstellungen und partizipative Projekte in Frankfurt, Stuttgart und Mannheim. Seit 2017 leitet er das internationale Künstlerhaus und soziokulturelle Zentrum zeitraumexit in Mannheim.

MANNHEIM: NINA LENZ

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Nina Lenz ist als Staatlich Anerkannte Erzieherin seit 2001 in Berufsfeldern der Sozialen Arbeit (Jugendhilfe, Kindertagesstätten, Offene Jugendarbeit) tätig. Seit 2009 arbeitet sie als freischaffende Theaterpädagogin (BuT) und Regisseurin mit jungen Erwachsenen, Langzeitarbeitslosen, Geflüchteten und Senior*innen. Seit November 2018 ist sie in der Stadtteilarbeit tätig und arbeitet im Künstlerhaus und soziokulturellen Zentrum zeitraumexit in Mannheim im UTOPOLIS-Projekt Social Body Building mit. Ihr wichtigstes Prinzip ist Partizipation.

ZEITRAUMEXIT e.V.

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Telefon: 0621 225001

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