XB-Lab – Kultur in Kreuzberg

© Heike Overberg

Das Projekt möchte mithilfe des niedrigschwelligen, nonverbalen Mediums Fotografie die Bedarfe der Bewohner*innen des Stadtteils ermitteln und ihnen einen Raum eröffnen, um sich nachhaltig an soziokulturellen Prozessen und der Gestaltung ihres unmittelbaren Umfeldes zu beteiligen. Vielfältige Veranstaltungen rund um Fotografie und Film im „f3 – freiraum für fotografie“ und im Kiez sollen breite Zielgruppen für eine aktive Teilhabe an Kunst und Kultur begeistern. Geplant sind u.a.: Foto-Spaziergänge, Foto-Talks, Foto-Führungen und Workshops.

 

 

Situation vor Ort

Das Quartier rund um das Kottbusser Tor ist hinsichtlich seiner Baustruktur sowie des Wohnumfelds ein heterogenes Gebiet. Es mischen sich große Gebäudekomplexe mit Straßenzügen sanierter Altbauten, in denen sich die soziale, ökonomische und infrastrukturelle Ausgangslage teilweise erheblich unterscheidet. Das Kottbusser Tor ist ein Verkehrsknotenpunkt mit starker Lärm- und Emissionsbelastung und gilt darüber hinaus als Treffpunkt der Drogen- und Alkoholszene. Viele Bewohner*innen des Quartiers haben mit Arbeitslosigkeit, einem niedrigen Bildungsstand sowie ökonomischen Schwierigkeiten zu kämpfen. Viele Migranten*innen der zweiten oder dritten Generation bewegen sich im Spagat zwischen verschiedenen Wertesystemen des Lebensmittelpunktes Berlin sowie des Herkunftslands der Eltern bzw. Großeltern. Es mangelt teilweise an Dialog, Verständnis und einem gleichberechtigten Miteinander.

 

Die Idee

Mit dem Projekt „XB-Lab“ sollen die Kreuzberger*innen zu Kultur-Kompliz*innen werden. Im „XB-Lab“ der Gesellschaft für Humanistische Fotografie (GfHF) e.V. sollen die Bewohner*innen des Stadtteils mithilfe des niedrigschwelligen und nonverbalen Mediums Fotografie zur selbstbestimmten Mitgestaltung und nachhaltigen Teilhabe an ihrem kulturellen Umfeld ermächtigt und befähigt werden.

Gemeinsam mit den Bewohner*innen sollen Formate entstehen, die die Menschen selbst gestalten oder an denen sie teilnehmen möchten. Die Bedarfe der Bewohner*innen im Quartier sollen im Dialog ermittelt, mittels Fotografie und Film sichtbar gemacht und analysiert werden:

  • Die Bewohner*innen werden in mobile FOTO-STUDIOS an zentralen Orten des Kiezes eingeladen, porträtiert und können anhand kurzer Interviewfragen äußern, was sie von Kunst und Kultur in ihrem Umfeld erwarten. Durch die Interviews und Porträts werden die Ideen und Wünsche der Menschen im Quartier deutlich und bekommen ein Gesicht. Die Ergebnisse sollen im Viertel sichtbar gemacht werden, um u. a. den Dialog zu befördern.
  • FOTO-SPAZIERGÄNGE durch den Kiez vermitteln Hintergrundinformationen über lokale Organisationen und Netzwerke und motivieren die Teilnehmenden dazu, sich aktiv einzubringen. Über eine FOTO-APP, die ausgehend von den FOTO-SPAZIERGÄNGEN entstanden ist, können Nutzer*innen zum Beispiel ihr Lieblingsbild aus dem Kiez hochladen, für sie besondere Orte beschreiben oder ihr Wissen über Kreuzberg testen und erweitern.

 

Aktivitäten und Veranstaltungen

Mit einer Reihe an Maßnahmen und Veranstaltungen sollen die unterschiedlichen Bewohner*innen im Quartier, insbesondere Jugendliche, Senior*innen sowie Menschen mit und ohne Migrationshintergrund, angesprochen werden. Bisher geplant sind folgende Aktionen, die gemeinsam mit den Bewohner*innen ausgestaltet oder verändert werden können:

  • FOTO-FÜHRUNG: Insbesondere Senior*innen, aber auch andere Interessierte, können durch Fotografie-Ausstellungen des f³ – freiraum für fotografie führen. Vor der Führung können sie sich durch Medienpädagog*innen und Kunsthistoriker*innen als Guides zum Thema der jeweiligen Ausstellung ausbilden lassen.
  • FOTO-WORKSHOP: „Mein Kiez, mein Leben…“: Gemeinsam mit den Bewohner*innen entstehen Workshops zu Themen, die im Viertel fehlen. Das können ebenso Photoshop-Workshops für Mädchen sein wie Workshops zu Fotografie-Techniken und praktischer Anwendung.
  • FOTO-SPAZIERGANG: Der Foto-Spaziergang stellt Vereine, Initiativen, Einrichtungen und Menschen vor, die schon seit Jahrzehnten in Kreuzberg aktiv sind und das kulturelle Leben im Bezirk prägen. Das Kreuzberger Original Andy Wolff führt Kleingruppen durch den Kiez. Durch persönliche Geschichten, historische sowie aktuelle Fotografien kann Kreuzberg einmal ganz anders erlebt werden.
  • FOTO-APP: Ausgehend von dem Foto-Spaziergang ist eine App entstanden. Interessierte können mithilfe der digitalen Multimedia-Tour eine historische Reise durch Kreuzberg antreten. Durch persönliche Geschichten, Fotografien, Filmausschnitte und Musikstücke legendärer Punk-Bands kann erlebt werden, wie sich die Berliner*innen selbst organisiert und ihr Leben aktiv und kreativ gestaltet haben.
  • FOTO-TALK: AUF DER COUCH: Die Veranstaltung bietet Hintergrundinformationen zu den aktuellen Ausstellungen in f³ – freiraum für fotografie. Gäste aus Politik, Kunst und Kultur diskutieren über aktuelle Themen des Zeitgeschehens und erörtern Fragen rund um das Medium Fotografie. Der FOTO-TALK spricht ein diverses Publikum aus Fotograf*innen/Fotokünstler*innen sowie Bewohner*innen der Umgebung aus unterschiedlichen Altersgruppen an, die im Rahmen der Veranstaltung in einen regen Austausch untereinander kommen können.
  • FOTO-HÖREN: Mit dem Format FOTO-HÖREN stehen die Inhalte unserer Veranstaltungen einem breiten Publikum niedrigschwellig zur Verfügung. FOTO-HÖREN, das auf der Soundcloud des XB-Lab von jedem handelsüblichen Tablet, PC oder Handy aus angehört werden kann, ermöglicht besonders kulturfernen, älteren Bewohner*innen des Kiezes Zugang zu Kultur und motiviert sie zur eigenen aktiven, kulturellen Teilhabe.

 

© Heike Overberg

Kontakt

KATHARINA MOURATIDI

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Katharina Mouratidi ist künstlerische Leiterin von f3 – freiraum für fotografie (www.fhochdrei.org) und Geschäftsführerin der Gesellschaft für Humanistische Fotografie (GfHF). In dieser Position plant, kuratiert und realisiert sie die fotografischen Ausstellungen im Ausstellungsraum für internationale Autor*innenfotografie f3 – freiraum für fotografie sowie Projekte in Kooperation mit Kunst- und Kulturinstitutionen im In- und Ausland, darunter: „Noor by Noor – Preisgekrönte Reportagen unserer Zeit“, „Türkiyeli – Zeitgenössische Fotografie aus der Türkei“, „Where Love is Illegal“ von Robin Hammond (alle freiraum für fotografie), „Poppy – Trails of Afghan Heroin“ (C/O Berlin, 2016); „Power“ (FotoIstanbul, 2016); „Geliebtes Afghanistan – Fotografien von Anja Niedringhaus“ (mit Gisela Kayser, Willy-Brandt-Haus Berlin, 2015). Katharina Mouratidi lehrt an verschiedenen Einrichtungen, darunter die Ostkreuzschule für Fotografie in Berlin, und leitet regelmäßig Qualifizierungsworkshops zu Medienkompetenz für diverse Bildungsträger.

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