Stiftung Kultur Palast HAMBURG
Hamburg, Deutschland

Billstedt United

Im Projektverlauf sollen unterschiedliche Kulturkreise, deren Kunstformen, Künstlergruppen und Protagonist*innen mittels Setcards und Videoprojektionen sichtbar für die weiteren Bewohner*innen und Communities gemacht werden. Die Anwohner*innen treten in einen kulturellen Austausch, damit sich das gesellschaftliche Miteinander vermengt und eine größere Kenntnis über verschiedene kulturelle Gruppen wachsen kann. Dies soll u.a. durch neue gemeinsame Veranstaltungs- und Kunstformate geschehen, die im Stadtteil öffentlich und für alle zugänglich sind.

Situation vor Ort

Der Entwicklungsraum Hamburg-Billstedt-Horn ist Teil des Bezirks Hamburg-Mitte. Die Bevölkerungsdichte ist in diesem Stadtraum doppelt so hoch wie im gesamten Hamburger Stadtgebiet. Dies resultiert aus dem Bau von Großwohnsiedlungen Anfang der 1960er Jahre, durch die sich die Einwohnerzahl beinah verdoppelte. Darüber hinaus befinden sich in Hamburg-Billstedt-Horn drei Geflüchtetenunterkünfte mit mehr als 3.000 Bewohner*innen. Weitere Unterkünfte sind in Planung.

Das Gebiet besteht aus mehreren Mikroquartieren, die durch Autobahnen und vierspurige Bundesstraßen durchschnitten werden. In Hamburg-Billstedt-Horn ist der Anteil der SGB II-Empfänger*innen doppelt so hoch wie im Hamburger Durchschnitt, der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund ist ebenfalls hoch. Bei der jungen Generation liegt dieser beispielsweise bei 80 Prozent. Im Schulvergleich und bei den durchschnittlichen Einkommen bildet das Gebiet eines der Schlusslichter Hamburgs. Darüber hinaus leidet der Stadtteil an einem Mangel an sozialer Infrastruktur sowie einem schlechten Image. Die Gesellschaft spaltet sich immer weiter in kleine Communities auf, die keine gemeinsamen Anknüpfungspunkte haben, weshalb sie parallele Strukturen im gesellschaftlichen Leben aufbauen.

Die Idee

Die Stiftung Kultur Palast Hamburg setzt sich maßgeblich für die Förderung von Potenzialen in einer internationalen Stadtgesellschaft ein, sie verbindet dabei oft Education-Module mit Nachwuchsförderung und schafft neue Zugänge zu Kultur und Bildung. Die Stiftung steht für die Schaffung innovativer Angebotsformate zur Förderung einer diversen Gesellschaft. Seit 39 Jahren ist sie Betreiber des Kulturzentrums „Kultur Palast Hamburg“ (KPH) mit Räumlichkeiten für interkulturelle Künstlergruppen und Communities sowie eines international genutzten Heavy Metall Musikclubs, dem Bambi Galore. Der KPH arbeitet mit 146 Kooperationspartnern zusammen und ist an 96 Standorten vertreten. Er entwickelt sein Programm kontinuierlich weiter. Die Stiftung ist Träger der HipHop Academy Hamburg und der Klangstrolche, womit circa 3.500 Kinder und Jugendliche unterstützt werden. Das Kernziel ist die nachhaltige, qualitative Entwicklung und Förderung von Kindern und Jugendlichen jeglicher ethnischer Herkunft aus strukturschwachen Gebieten, in enger Kooperation mit Schulen, Kitas, Communities, u. a. zur langfristigen Sicherung interkultureller Förderarbeit.

Die Stiftung Kultur Palast Hamburg betreibt eine Bühne, Seminarräume und Tanzstudios sowie eine eigene Musik-Kita, einen Musikclub und ein Restaurant. In dem Projekt „Billstedt United – United Cultural Empowerment“ der Stiftung Kultur Palast sollen die einzelnen migrantischen Communities, die Menschen mit Fluchthintergrund und die alteingesessenen Bewohner*innen aller Altersstufen des Stadtteils Hamburg-Billstedt in Kontakt treten und vernetzt werden. So soll das gesellschaftliche und kulturelle Miteinander verbessert und dazu beigetragen werden, eine gemeinsame Identität zu schaffen. Ziel ist es, die zunehmende Segregation im Stadtteil abzubauen.

Aktivitäten und Veranstaltungen

Kern von „Billstedt United – United Cultural Empowerment“ ist die Auswahl von zwölf Communities, die mittels Setcards und Videoprojektionen für die weiteren Bewohner*innen des Stadtteils sichtbar gemacht werden sollen. Die Setcards und Videos werden mithilfe des Kultur Palast Hamburg erstellt und enthalten Informationen zu Mitgliedern der Communities sowie Künstler*innen, Kunstformen, Liedgut, Kulinarik und den Bezug zum Stadtteil Hamburg-Billstedt sowie Wünsche und Ideen zur Verbesserung des Umfelds. Aus den Setcards und Materialien werden Kalender, Fotos und Ausstellungsmaterial erstellt, die in der ganzen Region verbreitet werden. Die Communities sollen sich gegenseitig kennenlernen und u.a. ihre kulturellen Verbindungen ausloten.

Auszug aus den konkreten Projektzielen:

  • Erstellung einer Website, die die verschiedenen Communities und ihre kulturellen Aktivitäten vorstellt. Mittels Fotos, kurzen Filmbeiträgen und Texten werden die Gruppen präsentiert. Erste Gruppenporträts sind bereits unter billstedt-united.de zu finden. Die Website ermöglicht es den Bewohner*innen und den verschiedenen Communities, sich gegenseitig (besser) kennenzulernen; erste gemeinsame Projekte zwischen den Communities sind bereits geplant.
  • Ein Online-Veranstaltungskalender für die Region, in den die zwölf Communities ihre Veranstaltungen, Kursangebote und Feste, wie z. B. das Zubereiten von typischem Essen aus der Region, eintragen können.
  • Eine Ausstellung im öffentlichen Raum soll die zwölf Communities sichtbar machen.
  • Ein „Kulturfonds Billstedt“ soll aus Mitgliedern der Communities sowie Geschäftsleuten gegründet werden und zur Entwicklung sowie zum Zusammenwachsen des Stadtteils beitragen.
  • Gründung von Gesprächskreisen und eines Komitees.
  • Die Einführung des „Billstedt Diversity Award“ – dieser Preis soll ab 2020 jährlich vergeben werden.

Die unterschiedlichen Gruppen hatten zudem die Möglichkeit, ihre Kunst und Kultur in diversen Veranstaltungsformaten zu präsentieren. Bei der „REVUE der Kulturen“ beispielsweise können die verschiedenen Gruppen auf der Bühne vor den Bewohner*innen des Stadtteils auftreten. Die Veranstaltungen fördern neben der Präsentation der eigenen kulturellen Aktivitäten ein Kennenlernen der verschiedenen Communities untereinander.

Im Zuge der Corona-Pandemie wurden zudem einige Veranstaltungsformate umgestellt und/oder neu initiiert:

  • Digitalisierung der Veranstaltungen: Die Veranstaltungen werden den Bewohner*innen als Live-Streams zur Verfügung gestellt. Mehrere kleine Konzerte unterschiedlicher Gruppen wurden bereits veröffentlicht.
  • Terrassenkonzerte: Drei Mal wöchentlich (donnerstags, freitags und sonntags) treten unterschiedliche Künstler*innen und Gruppen verschiedener Projekte, darunter beispielswese die Internationale Rhythmusgruppe und ein Trio, gebildet aus einem türkischen Chor, bei kleinsten Konzerte auf. Diese Konzerte finden unter Einhaltung der Corona-Hygienebestimmungen im Rahmen des „Billstedter Sommerlebens“ statt.
  • Die „REVUE der Kulturen“ ist – für den Fall, dass die Maßnahmen bezüglich der Corona-Pandemie dies erlauben – wieder ab September 2020 geplant. Bei dieser REVUE sollen zwei Neuzugänge, eine koreanische und eine bulgarische Tanzgruppe, dem Publikum vorgestellt werden.
  • Bis Mitte 2021 soll ein partizipatives Musicaltheater in Verbindung mit dem Stadtteilfestival BilleVue entstehen. Hierfür bietet Billstedt United einzelne Workshops für Menschen aus dem Stadtteil und für kooperierende Schulen aus der Region an.

Tools

 

Revue der Kulturen

Format:Großaktion
Thema:Musik / Literatur / Schauspiel / Performance
Zielgruppe:   Jede*r
Alter: Ab 6 bis 96 Jahre

Diversity on stage!

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