Billstedt United

© Kathrin Brunhofer

Im Projektverlauf sollen unterschiedliche Kulturkreise, deren Kunstformen, Künstlergruppen und Protagonist*innen mittels Setcards und Videoprojektionen sichtbar für die weiteren Bewohner*innen und Communities gemacht werden. Die Anwohner*innen treten in einen kulturellen Austausch, damit sich das gesellschaftliche Miteinander vermengt und eine größere Kenntnis über verschiedene kulturelle Gruppen wachsen kann. Dies soll u.a. durch neue gemeinsame Veranstaltungs- und Kunstformate geschehen, die im Stadtteil öffentlich und für alle zugänglich sind.

 

 

Situation vor Ort

 

Der Entwicklungsraum Hamburg-Billstedt-Horn ist Teil des Bezirks Hamburg-Mitte. Die Bevölkerungsdichte ist in diesem Stadtraum doppelt so hoch wie im gesamten Hamburger Stadtgebiet. Dies resultiert aus dem Bau von Großwohnsiedlungen Anfang der 1960er Jahre, durch die sich die Einwohnerzahl beinah verdoppelte. Darüber hinaus befinden sich in Hamburg-Billstedt-Horn drei Geflüchtetenunterkünfte mit mehr als 3.000 Bewohner*innen. Weitere Unterkünfte sind in Planung.

Das Gebiet besteht aus mehreren Mikroquartieren, die durch Autobahnen und vierspurige Bundesstraßen durchschnitten werden. In Hamburg-Billstedt-Horn ist der Anteil der SGB II-Empfänger*innen doppelt so hoch wie im Hamburger Durchschnitt, der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund ist ebenfalls groß. Bei der jungen Generation beispielsweise liegt dieser bei 80 Prozent. Im Schulvergleich und bei den durchschnittlichen Einkommen bildet das Gebiet eines der Schlusslichter Hamburgs. Darüber hinaus leidet dieser Stadtteil an einem Mangel an sozialer Infrastruktur sowie einem schlechten Image. Die Gesellschaft spaltet sich hier immer weiter in kleine Communities auf, die keine gemeinsamen Anknüpfungspunkte haben, weshalb sie  parallele Strukturen im gesellschaftlichen Leben aufbauen.

 

Die Idee

 

Die Stiftung Kultur Palast Hamburg setzt sich maßgeblich für die Förderung von Potenzialen in einer internationalen Stadtgesellschaft ein, sie verbindet dabei oft Education-Module mit Nachwuchsförderung und schafft neue Zugänge zu Kultur und Bildung. Die Stiftung steht für die Schaffung innovativer Angebotsformate zur Förderung einer diversen Gesellschaft. Seit 39 Jahren ist sie Betreiber des Kulturzentrums „Kultur Palast Hamburg“ (KPH) mit Räumlichkeiten für interkulturelle Künstlergruppen und Communities sowie eines international genutzten Heavy Metall Musikclubs, dem Bambi Galore. Der KPH arbeitet mit 146 Kooperationspartnern zusammen und ist an 96 Standorten vertreten. Er entwickelt sein Programm kontinuierlich weiter. Die Stiftung ist Träger der HipHop Academy Hamburg und der Klangstrolche, womit circa 3.500 Kinder und Jugendliche regelhaft unterstützt werden. Das Kernziel ist die nachhaltige, qualitative Entwicklung und Förderung von Kindern und Jugendlichen jeglicher ethnischer Herkunft aus strukturschwachen Gebieten, in enger Kooperation mit Schulen, Kitas, Communities, u. a. zur langfristigen Sicherung interkultureller Förderarbeit.

Die Stiftung Kultur Palast Hamburg betreibt eine Bühne, Seminarräume und Tanzstudios sowie eine eigene Musik-Kita, einen Musikclub und ein Restaurant. In dem Projekt „United Cultural Empowerment“ der Stiftung Kultur Palast sollen die einzelnen migrantischen Communities, die Menschen mit Fluchthintergrund und die alteingesessenen Bewohner aller Altersstufen des Stadtteils Hamburg-Billstedt in Kontakt treten und vernetzt werden. So soll das gesellschaftliche und kulturelle Miteinander verbessert und dazu beigetragen werden, eine gemeinsame Identität zu schaffen. Ziel ist es, die zunehmende Segregation im Stadtteil abzubauen.

 

Aktivitäten und Veranstaltungen

 

Kern von „Billstedt United“ ist die Auswahl von zwölf Communities, die mittels Setcards und Videoprojektionen für die weiteren Bewohner*innen des Stadtteils sichtbar gemacht werden sollen. Die Setcards und Videos werden mithilfe des Kultur Palast Hamburg erstellt und enthalten Informationen zu Mitgliedern der Communities sowie Künstler*innen, Kunstformen, Liedgut, Kulinarik und den Bezug zum Stadtteil Hamburg-Billstedt sowie Wünsche und Ideen zur Verbesserung des Umfelds. Aus diesen Setcards und Materialien werden Kalender, Fotos und Ausstellungsmaterial erstellt, die in der ganzen Region verbreitet werden. Die Communities sollen sich gegenseitig kennenlernen und u.a. ihre kulturellen Verbindungen ausloten.

Auszug aus den konkreten Projektzielen:

  • ein Online-Veranstaltungskalender für die Region, in den die zwölf Communities ihre Veranstaltungen, Kursangebote und Feste, wie z. B. das Zubereiten von typischem Essen aus der Region, eintragen können
  • eine Ausstellung im öffentlichen Raum soll die zwölf Communities sichtbar machen
  • ein „Kulturfonds Billstedt“ soll aus Mitgliedern der Communities sowie Geschäftsleuten gegründet werden und zur Entwicklung und zum Zusammenwachsen des Stadtteils beitragen
  • die Gründung von Gesprächskreisen und eines Komitees
  • die Einführung des „Billstedt Diversity Award“ – dieser Preis soll ab 2020 jährlich vergeben werden
© Kathrin Brunhofer

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