kultur.lokal.machen

Kulturhof Lübbenau © Daria Rüttimann

Lübbenau unterteilt sich in eine touristische Altstadt und eine Neustadt mit vielfältigen sozialen Herausforderungen. Das Projekt „kultur.lokal.machen“ möchte die Nachbarschaft mit künstlerischen Mitteln aktivieren und diese dazu anregen, sich mit ihrer Stadt auseinanderzusetzen. Als lernendes Projekt setzt „kultur.lokal.machen“ eine Vielzahl diverser, künstlerischer Workshops um: Kreative Stammtische zu bildender Kunst, Musik und Literatur sowie diverse Umfrageaktionen ermöglichen eine partizipative Umfeld- und Bedarfsanalyse zu den Wünschen der Bewohnerschaft. Der „NEUstadtWAGEN“, eine mobile Medienwerkstatt mit Bühne, dient der kreativen Partizipation der Bürgerschaft. Städtebauliche Prozesse werden im Rahmen von „erLebensraum Neustadt“ mit Kunstaktionen begleitet, der öffentliche Raum wird bei „NEUTafeln“ zur intimen Umgebung für gemeinschaftlichen Austausch und Aktionen.

 

Situation vor Ort

Die Stadt Lübbenau wird von Zuggleisen in zwei Teile unterteilt. Auf der einen Seite liegt die idyllische Altstadt mit Schloss, Hafen und Gurkenbuden. Hier ist es touristisch, es gibt kleine Läden, Cafés und Restaurants, es werden Kahnfahrten durch den Spreewald angeboten. Die Neustadt auf der anderen Seite der Gleise dient hauptsächlich als Wohnstandort. Sie entstand ab Ende der 1950er Jahre als eigenständiger Stadtteil, der sich heute durch schwierige soziale Verhältnisse auszeichnet. Über 5.000 Wohnungen befinden sich in Plattenbauten, die vor allem im Besitz der beiden großen Wohnungsbaugesellschaften sind. Auch wenn die Versorgungsinfrastruktur in der Neustadt gut ausgebaut ist und es seit Ende der 1990er Jahre Bestrebungen gibt, ein buntes kulturelles Angebot für alle Lübbenauer zu etablieren, können bis heute nicht alle Bewohner*innen erreicht werden. Hier greift das Projekt „kultur.lokal.machen“ des Kulturhof Lübbenau e.V., welches im Kulturzentrum Gleis 3 angesiedelt ist. Das Gleis 3 liegt – wie der Name bereits verrät – direkt an den Gleisen, welche die Altstadt und Neustadt räumlich trennen. Das Projekt möchte die beiden Stadtteile über soziokulturelle Angebote verbinden und Teilhabemöglichkeiten für alle Lübbenauer*innen schaffen.

 

Die Idee

Der Kulturhof möchte mit dem Projekt „kultur.lokal.machen“ durch die Förderung kultureller Vielfalt, Nachhaltigkeit, Demokratie und Diversität positive Impulse für die Zukunft der Menschen vor Ort setzen. Aufgrund der geringen Einwohnerzahl soll eine Aktivierung und Beteiligung aller Lübbenauer*innen dank eines diversen Angebots vorgenommen werden. Es soll ein kommerzfreier, alternativer Kulturraum geschaffen werden, welcher viel Platz zur Entfaltung und Spaß am Engagement für die eigenen Bedürfnisse bietet.

Das Projekt „kultur.lokal.machen“ möchte die Nachbarschaft mit künstlerischen Mitteln aktivieren und diese dazu anregen, sich mit ihrer Stadt auseinanderzusetzen. Es sollen alle Bewohner*innen erreicht werden, besonders diejenigen, welche sich ausgeschlossen fühlen und bisher nur wenig Anknüpfungspunkte zu Kultur und Kunst im eigenen Lebensumfeld haben. Den Nachbar*innen soll mittels des Projekts Sichtbarkeit gegeben werden und ihre Selbstwirksamkeit erkennen lassen. Der so erlebte Spaß am Engagement soll schließlich dabei helfen, die Quartiersgemeinschaft in der Neustadt Lübbenaus nachhaltig zu bestärken.

Eine partizipative künstlerische Umfelds- und Bedarfsanalyse wird regelmäßig mit unterschiedlichen künstlerischen Methoden durchgeführt, um immer wieder andere Zielgruppen zu erreichen und die Aktionen an die Bedürfnisse der Bewohner*innen anzupassen. Einzelne Teilmaßnahmen werden erst im Rahmen der partizipativen Bedarfserhebung festgelegt und umgesetzt.

 

Aktivitäten und Veranstaltungen

Folgende Formate sind angedacht bzw. werden bereits umgesetzt:

  • NEUtafeln: Lasse reden
    An einer langen NEUTafel kann man sich kennen lernen, austauschen und ein gemeinsames Essen an öffentlichen Orten mit künstlerischer Begleitung erleben.
  • NEUstadtWAGEN
    Der NEUstadtWAGEN, ein modifiziertes Lastenrad, begleitet das gesamte Projekt. Er ist sowohl als Mitmachwerkstatt, Medienmobil mit Interviewplätzen, als auch als Kleinkunstbühne einsetzbar.
  • WünscheWERKSTATT „ kulturlokal“
    In einem leerstehenden Laden werden die Wünsche der Bewohnerschaft transparent gemacht. Durch Initiierung unterschiedlicher Gruppen entstehen kleine Kunstwerke als Interventionen, die in den öffentlichen Raum getragen werden können.
  • Literaturwerkstatt
    Geplant ist eine offene Werkstatt für Wort und Bild. Sie kann als Redaktion, Schreibwerkstatt, Lesebühne, Kulturredaktion und für die Schülerzeitung genutzt werden.
  • HOCHkultur
    WohnzimmerKONZERTe und LivingROOM Galerien finden in den Plattenbauten der Neustadt statt.
  • Das Theater für Alle
    Bisher waren die Bewohner*innen eher als Rezipient*innen in der Bunten Bühne vertreten. Das neue Format „Theater für Alle“ soll sie nun auch auf die Bühne bringen.
  • KULTURbildung
    Alle Ehrenamtlichen sollen durch projektbezogene Fortbildungen weitergebildet und damit nachhaltig in ihrem Ehrenamt gestärkt werden.
  • „Drunter und Drüber“
    Eine künstlerische Begleitung setzt sich mit der Umlegung der Hauptverkehrsstraße Lübbenaus direkt vor das Kulturzentrum auseinander.

 

Kulturhof Lübbenau © Daria Rüttimann

Kontakt

FRANK THORHAUER

Kulturhof Lübbenau e.V.