Mobile Stadtspiele und Game Design als innovative Lernmethode

Stefan Horn © Marc Brinkmeier

Mobile Stadtspiele sind Schnittstelle von analogem Raum und kreativer Nutzbarmachung von Smartphones. Sie bieten neue Möglichkeiten der Stadterkundung und der Entwicklung kultureller Angebote. In diesem Labor werden theoretische Grundlagen vermittelt und praktische Erfahrungen mittels der „Tempelhofer Schnitzeljagd“ gemacht.

 

Der Workshop vermittelte in drei Schritten die Grundlagen der Spielentwicklung. Ziel war es, die Potenziale des Game Designs als eine innovative und intrinsische Lernmethode den Teilnehmer*innen anhand eigener Erfahrungen näher zu bringen und Überlegungen für kulturelle Angebote an der Schnittstelle von urbanem Raum und der kreativen Nutzung von Smartphones als Instrument der spielerischen Stadterkundung zu erzeugen. Der Workshop bestand aus drei Teilen und einer gemeinsamen Reflektion zu potentiellen Anwendungsmöglichkeiten in soziokulturellen Einrichtungen.

Zuerst wurden die Lieblingsspiele der Teilnehmer*innen in einer Vorstellungsrunde abgefragt und unmittelbar eine Zuordnung in verschiedene Spielformen vorgenommen, z.B. Brettspiele, Computerspiele, Rollenspiele oder Spiele im öffentlichen Raum. Dabei wurde über das Grundprinzip des Spielens diskutiert und auch Erfahrungen aus der Kindheit und somit der Akt des Spielens als einer Urform des »Begreifens« herausgearbeitet.

Darauf folgte eine Gruppenübung, bei der die Teilnehmer*innen bereits zu Spieleentwicklern wurden. Mit Hilfe von drei identischen Gegenständen wurden von acht Gruppen acht verschiedene Spiele erzeugt. Hierbei lernten sie auf unsichtbare Weise (learning by doing, informelles Lernen) Ziel, Mechanik, Belohnung und Regeln zu definieren. Erst bei den anschließenden Präsentationen wurden diese Grundpfeiler des Game Designs besprochen und näher erörtert.

Drittes Element des Workshops war ein mobiles Stadtspiel, bei dem die Teilnehmer*innen in mehreren Teams die unmittelbare Umgebung des Tagungsortes ufaFabrik anhand eines vorgefertigten Schnitzeljagd-Parcours erkunden und dabei über ein Punktesystem miteinander in den Wettbewerb treten konnten. Das zentrale Steuerungselement war eine Smartphone-App, mit der die Teilnehmer*innen Orte finden, Gegenstände entdecken, Fragen beantworten und weitere Aufgaben bewältigen mussten. Dabei wurde auch ein Schwerpunkt auf die lokalhistorische Wissensvermittlung rund um den Bezirk Tempelhof gelegt. Aber auch der günstigste Joghurt im Supermarkt um die Ecke musste innerhalb eines vorgegebenen Zeitlimits käuflich erstanden werden.

Bei der Auswertung wurden die gesammelten Erfahrungen reflektiert und die methodische Nutzbarkeit diskutiert. In der Schnitzeljagd wurde von vielen das Potenzial für eine generationsübergreifende Begegnung (Lebenserfahrung trifft digital Native) entdeckt. Die 30-minütige Spieldesign-Übung war für die meisten Teilnehmer*innen – wie auch für den Workshopleiter – ein tiefgreifendes Erlebnis. Hierbei wurden Teamwork, verschiedenstes Wissen und diverse Fertigkeiten sowie schnelle Entscheidungsprozesse miteinander gekoppelt. Die Teilnehmer*innen äußerten zum Schluss viele Ansätze für den Einsatz von Spielentwicklungsmethoden in der täglichen Arbeit mit unterschiedlichen Zielgruppen der Soziokultur.

Stefan Horn © Marc Brinkmeier