Kooperationen und künstlerische Interventionen im öffentlichen Raum

Matthias Einhoff

Welche kreativen Methoden könnten angewandt werden, um Netzwerke und Kooperationen aufzubauen? Wie bringe ich über Kunst neue Impulse in aktuelle Stadtdiskurse ein? Dieses Labor gibt Einblicke in innovative Maßnahmen und zeigt unkonventionelle Wege um Aufmerksamkeit für neue kulturelle Angebote im Quartier zu erzeugen.

 

1. Einführung in die Praxis des ZKU – seine Kooperationen und Strategie

Im Vordergrund der Einführung in die Praxis des ZK/U stand die Entstehungsgeschichte des Hauses im Jahr 2012, und wie sich ohne eine Form der institutionellen Förderung ein sozio-kulturelles Programm entwickeln konnte. Hierbei standen Fragen der Finanzierung, Netzwerke und Kooperationen im Mittelpunkt. Im kritischen Dialog wurden des Weiteren Kommunikationsstrategien, Altersheterogenität der Besucher, lang- und kurzfristige Zielsetzungen erörtert. Über ein klassisches Organigramm hinaus, wurde eine schematische Darstellung des ZK/U präsentiert, das die ökonomischen, sozialen und kulturellen Kapitalarten in ein Verhältnis zur Organisation setzt und so eine über den monetären Kapitalfluss hinausgehendes, für die Arbeit von sozio-kulturellen Zentren relevantes, Erklärungsmodell präsentierte.

  1. Einführung in künstlerische Intervention des Künstlerkollektivs KUNSTrePUBLIK

Die Potentiale von Kunst im öffentlichen Raum, von Interventionen mit künstlerischen Mitteln, wurden anhand von einigen konkreten Beispielen erläutert.

In Uljanovsk, Russland, baute KUNSTrePUBLIK ein Orakel, das eine freie Äußerung von Fragen und Antworten erlaubte. Sie unterhielten einen fahrbaren Protestbrunnen in Washington D.C.. Sie produzierten einen ikonischen Würfel, um die Interessen von Kleinhändlern in einem Markt in Jakarta zu stärken. Sie re-interpretierten bekannte Opern und präsentierten diese in abgebrannten Autos, um anstehende Gentrifizierung zu markieren. Sie formierten ein Straßenparlament mit den Gesängen von Fußballfans und den Schwimmwesten von Geflüchteten. Sie bauten eine Autowaschanlage, um Arbeitsmigranten mit Willkommensliedern und einem Taufritual im Ruhrgebiet zu empfangen.

KUNSTrePUBLIK kuratierte über die eigene Arbeit hinaus verschiedene Projektserien mit dem Ansatz ein umfassenderes gesellschaftliches Bild zu zeichnen: mit der 2jährigen Projektreihe ‚Archipel Invest‘ wurden mikro-ökonomische Zukunftsszenarien für das post-industrielle nördliche Ruhrgebiet entwickelt, im Skulpturenpark Berlin-Zentrum wurden innerhalb von 5 Jahren auf einer innerstädtischen Brachfläche urbane Entwicklungsdynamiken mit künstlerischen Projekten kommentiert und diskutiert.

Die Präsentation führte zu einer Diskussion bezüglich der Fragen der Wirkung und Nachhaltigkeit solcher Projekte und eröffnete Einsichten in die Ziele von sozio-kultureller Arbeit im Allgemeinen.

  1. Emergency Kit“: Gemeinsamer Brainstorm zur Ermittlung kreativer Problemlösungen für Herausforderungen des ZK/U

Mit dem ‚Emergency Kit‘ sollten die Impulse aus Teil 1 und 2 aufgegriffen werden, um mit der Expertise der Teilnehmer über kreative Lösungen für konkrete Herausforderungen am ZK/U nachzudenken. Wie kann eine Grünraumpflege mit geringsten monetären Mitteln organisiert werden, führte zu Lösungsvorschlägen von Umwidmung (von einer intensiv zu einer extensiv gepflegten Fläche) bis hin zur Haltung von Tieren zur Pflege und Düngung. Wie mit einer illegalen Grillecke umzugehen sei, führte zu Lösungsansätzen, die von einer Grillhütte bis hin zu einem Gas-Grill in Verantwortung von Paten reichte.

Es war deutlich zu merken, dass die Teilnehmer*innen über ein erhebliches Maß an praktischer Erfahrung, und der Fähigkeit kreative Lösungen zu finden, verfügten.

Matthias Einhoff