Aktivierungs- und Beteiligungsverfahren

Stephan US | © Franziska von Schmeling

 

Wie können wir etwas verändern, bewegen? Wie wollen wir unsere Nachbarschaft, unseren Stadtteil, unsere Stadt, unsere Zukunft gestalten? Wie solche Räume im Öffentlichen kreiert werden können, was ein offenes WIR braucht und welche Perspektiven und Konsequenzen es mit sich bringen kann, wurde in diesem Labor anhand von Projektbeispielen erarbeitet.

 

Wie können wir etwas verändern, bewegen? Wie wollen wir leben? Wie wollen wir unsre Nachbarschaft, unseren Stadtteil, unsere Stadt, unsere Zukunft gestalten? Alles Fragen, bei denen meist Aspekte wie gesellschaftliche Werte, Verantwortung, Solidarität, Teilhabe, Nachhaltigkeit, Vielfalt und der Diskurs darüber herauskommen. Ganz selten wird dabei das „WIR“ in der Frage beleuchtet. Es wird vorausgesetzt, dass es dieses WIR einfach so gibt und dass dieses WIR offen ist. Wenn dem so wäre, würden wir längst so leben, wie wir leben wollen! Doch leider verhindert sich dieses WIR oft in seinen Teilen – dem Ich – selbst, in dem es Ideologien, Privilegien, die neoliberal geformte Selbstsucht und andere kulturelle Identifikationsmuster voranstellt – einteilt, aufteilt und ausgrenzt.

Dabei gibt es diese offenen Räume des WIR tagtäglich für Augenblicke überall und meist zufällig. Wie solche real-temporären Räume im Öffentlichen mit Menschen kreiert werden können, was ein offenes WIR braucht, wie jeder sich aktiv beteiligen kann und welche Perspektiven und Konsequenzen es mit sich bringen kann, waren die Schwerpunkte in diesem Labor.

Gestartet wurde mit dem kleinsten Teil eines WIR – dem Ich. Mit Körperübungen, wie zum Beispiel dem gemeinsamen ganz langsamen Gehen – entstand ein Bewusstsein für das eigene Ich in einer großen kollektiven Bewegung. Anhand von Projektbeispielen untersuchten die Teilnehmer danach verschiedene Fragestellungen, wobei die Frage: Was braucht ein offenes WIR? sehr kontrovers diskutiert wurde. Im Raum stand die These, dass ein WIR gar nicht wirklich offen sein kann, da es sich durch die Definition des WIR per se abgrenzt und damit nicht mehr offen ist. Im weiteren Verlauf des Gesprächs unter den Teilnehmern wurde klar, dass in erfolgreichen Partizipations- und Beteiligungsprojekten es wichtig ist, diese Definition des WIR immer wieder aufzulösen und zu erneuern, so dass jeder Teil des Ganzen (WIR) aber auch ein ganzes Teil (Ich) sein kann. Diese Offenheit ist ein permanenter dynamischer Prozess – sehr arbeitsintensiv, aber so wesentlich für eine aktive Teilhabe.

Von diesem theoretischen Gesprächsergebnis starteten alle Teilnehmer dieses praktisch gemeinsam in einem Versuch zu erarbeiten und umzusetzen. Mit der Frage „Was braucht ein offenes WIR?“ ging es in den öffentlichen Raum um Antworten zu suchen. Jede Antwort, egal welcher Art, kam in einen rosa Luftballon, der aufgeblasen wurde. Zum Abschluss des Labors formten die Teilnehmer die Ballons zu einem überdimensionalen Gehirn – dem „Collective brain“ und präsentierten den Inhalt gemeinsam bis die Luft ausging.

 

Stephan US | © Franziska von Schmeling