Experiment gelungen: Erste Auswertung der UTOPOLIS Online-Konferenz

Nach zweieinhalb spannenden und aufregenden Monaten Vorbereitungszeit und zwei prallevollen Veranstaltungstagen am 16. und 17. September 2021 lässt sich konstatieren: das Experiment UTOPOLIS Online-Konferenz ist geglückt! Ohne die vielen helfenden Hände, allen voran des Support-Teams, wäre es schlichtweg unmöglich gewesen, alle Teilnehmenden und Referent*innen auf den letzten Metern vor und während der Konferenz gut abzuholen und zu begleiten.

Mit Lachen, Stress- und Freudentränen und einer großen Portion Mut hat das Konferenz-Team in rekordverdächtig kurzer Zeit eine inhaltlich interessante und technisch anspruchsvolle Konferenz auf die Beine gestellt. Herausfordernd war vor allem, dass nicht nur die Methodik der Workshops, sondern auch das Setting der Konferenz experimentell und spielerisch sein sollte. Mit der Open-Source-Plattform „WorkAdventure“ der französischen Agentur The Coding Machine wurde für alle Neuland betreten: In der virtuellen 2D-Landschaft wurde ein soziokulturelles Zentrum als Konferenzhaus nachgebaut, in dem sich die Teilnehmenden mit Avataren bewegen und miteinander per Videochat kommunizieren konnten. Auch das Thema „Neue Formate der Stadtteilarbeit“ bot dermaßen viele spannende Ebenen, dass die Begrenzung auf eine Auswahl an Diskussions-Impulsen und Aspekten der Vermittlung von Praxis-Knowhow keine leichte Aufgabe bedeutete. Mit einer thematischen Einführung, einer Live-Keynote, vier diskursiven LABs und gleich vierzehn interaktiven Workshops hatten die insgesamt rund 130 Teilnehmenden dann letztlich doch eine große Bandbreite, um das Thema aus unterschiedlichsten Perspektiven näher zu beleuchten.

Das Feedback im Nachgang der Veranstaltung, u.a. per Online-Evaluationsfragebogen, war hinsichtlich der Tagungsatmosphäre, der Begleitung durch das Support-Team, des Zeitmanagements und der Inhalte und Methodik der LABs und Workshops überwiegend positiv. Auch die kritischen Rückmeldungen liefern interessante Anhaltspunkte für künftige Veranstaltungen und lassen sich postiv für die Optimierung nutzen: denn ohne Kritik und Fehler keine Weiterentwicklung!

Ein gutes Beispiel für eine Optimierung stellen die vorproduzierten Grußworte dar: Diese hätten im Live Modus laut Aussage gleich mehrerer Teilnehmder ein größeres Gemeinschaftsgefühl erzeugt. Um technisch weniger Fehlerpotential zu bieten, waren die Statements vorab aufgezeichnet worden. Da das Live-Experiment jedoch auch bei der Keynote funktioniert hat, hätte im Nachhinein nichts dagegen gesprochen, auch an dieser Stelle live zu übertragen.
Weiterhin sollte laut Evaluation ein größerer Fokus auf die Vernetzung der Teilnehmenden gelegt werden. Auch wenn WorkAdventure hierfür eine sehr gute Plattform bietet und es zahlreiche Kommunikations-Inseln, basierend auf JitsiMeet, zum gegenseitigen Austausch gab, hätten viele Teilnehmende lieber mehr verbindliche moderierte Aktionen zum Vernetzen gehabt.
Auch die Projektmesse der UTOPOLIS-Standorte, bei der alle Projektakteure an ihren Galerieständen ansprechbar waren, hätte idealerweise zu einem früheren Zeitpunkt stattfinden sollen, da nach den vielen Inputs die meisten Besucher*innen lieber wieder in die Offline-Welt zurückkehrten, anstatt noch durch eine virtuelle Landschaft zu schlendern. Ein großes Interesse an der Projektgalerie gab es dennoch, denn die Traffic-Analyse während der Konferenz hat visualisiert: kein anderer Raum hatte so viele Besucher*innen allgemein und besonders vormittags. Das war erfreulich – ebenso wie die Aussage, dass die digitalen Präsentationsseiten von vielen als sehr informativ wahrgenommen wurden, sodass auch ohne direkte Gespräche der Informationscharakter nicht zu kurz gekommen ist.

Viele der Teilnehmenden hätten gerne mehr als die zwei Workshops besucht, die durch die Parallel-Struktur der Workshop-Zeiten möglich waren. Für ausnahmslos alle Workshop-Themen wurde eine Wiederholung gewünscht: „Minecraft in der Stadtteilarbeit“, „Zielgruppenerreichung mit Social Media“, „Digitales Storytelling“, „Erklärfilme produzieren“, „Youtube in der Stadtteilarbeit“, „Umgang mit Verschwörungstheorien“, „VR Tour im Quartier“, „Ideen visualisieren“, „Game Design“ und „Interaktive Theatermethoden“. Auch wurden neue Themen aufgelistet, die für zukünftige Veranstaltungen spannend sein könnten. Genannt wurde dabei u.a. der Wunsch nach einer grundlegenden, eventuell soziologischen, sozial- oder gesellschaftspolitischen Auseinandersetzung mit Digitaler Kommunikation, außerdem die Erreichung spezifischer Zielgruppen, Partizipationsmöglichkeiten von Kindern und Jugendlichen, digitale Akquise von zivilgesellschaftlichem Engagement, weitere digitale Methoden und Tools kennenzulernen sowie das große Thema„Nachhaltigkeit in der Stadtteilarbeit“. Letzteres wird – ohne zu viel verraten zu wollen – nun tatsächlich das Thema für die kommende Jahreskonferenz 2022, für die noch die Formatfrage zu klären wäre.  Ein Hybrid-Format hätte den Vorteil, dass Besucher*innen sowohl mit Präsenz- als auch Online-Präferenz abgeholt und ein Live-Vortrag z. B. auch parallel gestreamt werden könnte. Die gute Nachricht: Für die für den September 2022 geplante Konferenz sollte ausreichend Zeit sein, das zukünftige Format, Themenfokussierungen und Abläufe zu konkretisieren und die Erfahrungen der Vorjahre mit einzubeziehen. Wir freuen uns über Anregungen und Vorschläge!