„Man kann kein Schema F drüber legen“ – Bundeskongress „Mehr Quartier für alle – 20 Jahre Soziale Stadt“ am 26.11. in Berlin

Abschluss-Resümee „20 Jahre Soziale Stadt“ | © Kristina Rahe

Volles Haus im Gemeinschaftshaus Gropiusstadt, Austragungsort des Bundeskongresses „Mehr Quartier für alle – 20 Jahre Soziale Stadt“- Das Quartier hätte als Standort für die Jubiläumsveranstaltung kaum besser gewählt werden können, weil es in so vielen Aspekten ein Paradebeispiel für die positiven Auswirkungen des Programms darstellt.

Gleich zu Beginn ihrer Rede zur Eröffnung des Kongresses offenbarte die Staatssekretärin im Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI), KATRIN BOHLE, ihr Lieblingsprogramm der Städtebauförderung: passenderweise das Programm „Soziale Stadt“. Sie lobte dessen integrierten Ansatz, der Hand in Hand soziales Denken befördere und gesellschaftlichen Wandel voranbringe. Einen spannenden Einblick gab ihr Vortrag in die Begleitforschung, der die „Soziale Stadt“ als lernendes Programm auswies, das sich ständig weiterentwickele. Auch wenn sich keines der diversen Quartiere bundesweit in ein „Schema F“ pressen ließe, so ließen sich über die Jahre doch eindeutige Erfolgsgaranten für Transformationsprozesse ausmachen: das Engagement und die Einbeziehung der Bürger*innen, die in den Quartieren wohnen oder arbeiten, darunter vor allem die sogenannten „Kümmerer“. Als ganz wesentliches Qualitätsmerkmal gelte insofern die Bildung, diese können man nicht genug finanziell unterstützen, denn es brauche im Quartier Menschen, die Bildung betreiben und vorleben.

Den wissenschaftlichen Blick brachte JUTTA ALLMENDINGER, Professorin für Bildungssoziologie und Arbeitsmarktforschung an der Humboldt-Universität zu Berlin, ein. In einer ausführlichen Studie hatte sie die „Vertrauensfrage“ gestellt. Vor dem Hintergrund der sich wandelnden Sozialstruktur in Deutschland und der zunehmenden Differenz von Selbst- und Fremdwahrnehmung von Menschen wurden unterschiedliche Personenkreise nach ihrer Einschätzung befragt, was andere ihrer Meinung nach denken. Die Studie zielte darauf ab, welche Werte und Einstellungen man von sich auf andere überträgt. Zusammenfassend konstatierte Frau Allmendinger starke Risse in der Sozialstruktur und einen dringenden politischen Handlungsbedarf, Bildungsarmut zu überwinden. Sehr schön ließen sich die Segregationsprozesse durch den Begriff des „pränatalen Abiturs“ ableiten, welcher anschaulich die Bedeutung von sozialer Herkunft bei der ungleichen Verteilung von Bildungschancen illustrierte.

Die Vorstellung der Soziale Stadt-Gebiete Leipzig Grünau, Gelsenkirchen Bismarck/Schalke Nord, Amberg Am Bergsteig und Belm Powe bot vier praktische Einblicke in die Arbeit vor Ort. In vier Foren wurden anschließend relevante Aspekte des Programms „Soziale Stadt“ vertieft, konkret: Integration, Bildung, Allianzen und Verstetigung. Das Programm wurde von einer Podiumsdiskussion sowie einem Schlusswort der Abteilungsleiterin Stadtentwicklung beim BMI, MONIKA THOMAS, abgerundet.

Das Programm des Kongresses findet sich hier.

 

 

 

Abschluss-Resümee „20 Jahre Soziale Stadt“ | © Kristina Rahe