02.12.2019

Rückblick Veranstaltung

„Man kann kein Schema F drüber legen“ – Bundeskongress „Mehr Quartier für alle – 20 Jahre Soziale Stadt“ am 26.11. in Berlin

Von: REDAKTION UTOPOLIS

Volles Haus im Gemeinschaftshaus Gropiusstadt, Austragungsort des Bundeskongresses "Mehr Quartier für alle - 20 Jahre Soziale Stadt"- Das Quartier hätte als Standort für die Jubiläumsveranstaltung kaum besser gewählt werden können, weil es in so vielen Aspekten ein Paradebeispiel für die positiven Auswirkungen des Programms darstellt.

Gleich zu Beginn ihrer Rede zur Eröffnung des Kongresses offenbarte die Staatssekretärin im Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI), KATRIN BOHLE, ihr Lieblingsprogramm der Städtebauförderung: passenderweise das Programm "Soziale Stadt". Sie lobte dessen integrierten Ansatz, der Hand in Hand soziales Denken befördere und gesellschaftlichen Wandel voranbringe. Einen spannenden Einblick gab ihr Vortrag in die Begleitforschung, der die "Soziale Stadt" als lernendes Programm auswies, das sich ständig weiterentwickele. Auch wenn sich keines der diversen Quartiere bundesweit in ein "Schema F" pressen ließe, so ließen sich über die Jahre doch eindeutige Erfolgsgaranten für Transformationsprozesse ausmachen: das Engagement und die Einbeziehung der Bürger*innen, die in den Quartieren wohnen oder arbeiten, darunter vor allem die sogenannten "Kümmerer". Als ganz wesentliches Qualitätsmerkmal gelte insofern die Bildung, diese können man nicht genug finanziell unterstützen, denn es brauche im Quartier Menschen, die Bildung betreiben und vorleben.

Den wissenschaftlichen Blick brachte JUTTA ALLMENDINGER, Professorin für Bildungssoziologie und Arbeitsmarktforschung an der Humboldt-Universität zu Berlin, ein. In einer ausführlichen Studie hatte sie die "Vertrauensfrage" gestellt. Vor dem Hintergrund der sich wandelnden Sozialstruktur in Deutschland und der zunehmenden Differenz von Selbst- und Fremdwahrnehmung von Menschen wurden unterschiedliche Personenkreise nach ihrer Einschätzung befragt, was andere ihrer Meinung nach denken. Die Studie zielte darauf ab, welche Werte und Einstellungen man von sich auf andere überträgt. Zusammenfassend konstatierte Frau Allmendinger starke Risse in der Sozialstruktur und einen dringenden politischen Handlungsbedarf, Bildungsarmut zu überwinden. Sehr schön ließen sich die Segregationsprozesse durch den Begriff des "pränatalen Abiturs" ableiten, welcher anschaulich die Bedeutung von sozialer Herkunft bei der ungleichen Verteilung von Bildungschancen illustrierte.

Die Vorstellung der Soziale Stadt-Gebiete Leipzig Grünau, Gelsenkirchen Bismarck/Schalke Nord, Amberg Am Bergsteig und Belm Powe bot vier praktische Einblicke in die Arbeit vor Ort. In vier Foren wurden anschließend relevante Aspekte des Programms "Soziale Stadt" vertieft, konkret: Integration, Bildung, Allianzen und Verstetigung. Das Programm wurde von einer Podiumsdiskussion sowie einem Schlusswort der Abteilungsleiterin Stadtentwicklung beim BMI, MONIKA THOMAS, abgerundet.

Das Programm des Kongresses findet sich hier.

 

 

 

Autor*innen

Ähnliche Artikel

 
05.10.2022
Konferenz, Rückblick Veranstaltung, Workshop und Aktionen

Wie gelingt Partizipation in der Stadtteilarbeit – ein Exkurs in die Stufen der Partizipation und deren Möglichkeiten

Auf der Utopolis-Jahreskonferenz im Internationalen Kulturzentrum ufaFabrik e.V. mit dem Thema „Soziokultur nachhaltig im Quartier. Werkzeuge für eine sozial-ökologische Transformation“ ging es in unserem Workshop „Gelingende Partizipation in der Stadtteilarbeit“ um die Frage, wie partizipative Bürger:innenbeteiligung gelingen kann, welchen Problemen [...]

Mehr lesen
 
27.09.2022
Rückblick Veranstaltung, Workshop und Aktionen

„Nachhaltiges Veranstalten in der Soziokultur“

Open-Air Festivals, Dorffeste, Kabarett- und Kinoveranstaltungen, Kreativ-Workshops oder Sprachkurse – in Deutschlands soziokulturellen Zentren und Initiativen wird vieles angeboten. Auf Veranstaltungen treffen wir mit anderen Menschen zusammen und feiern, lernen oder denken die Welt weiter. Das ist und bleibt wichtig [...]

Mehr lesen
 
04.07.2022
Rückblick Veranstaltung, Workshop und Aktionen

Mikro Festival #04 feiert die Nachbarschaft!

Am 18. Juni wurde rund um den Liegnitzplatz das Mikro-Festival des Projekts Europa Zentral in vierter Auflage gefeiert. Die Freude sei nach zwei Jahren unter Pandemie-Bedingungen groß, „einfach mal wieder zusammen zu kommen und gemeinsam den Tag zu genießen“, so [...]

Mehr lesen
 
30.06.2022
Rückblick Veranstaltung, Veranstaltungstipp, Workshop und Aktionen

Zu Tisch mit den Nachbar*innen

Das Mannheimer Quartier Jungbusch ist ein Ort der Vielfalt und des Widerspruchs. Ein Kreativ- und Ausgehviertel, das gleichzeitig geprägt ist von Armut, Alkoholmißbrauch und Arbeitslosigkeit. Mit den „Tischgesprächen“ hat unser Mannheimer Projekt Social Body Building in Kooperation mit der Fachhochschule [...]

Mehr lesen