Im Nürnberger Stadtteil Langwasser ist in der Oppelner Straße 200 derzeit ein besonderes Kunstwerk zu besichtigen: Ein riesiges buntes Mosaik mit Portraits von Anwohner*innen verziert die graue Betonfassade des dort stehenden Hochhauses. Über 120 Langwasseraner*innen haben bei der Aktion unseres Modellprojektes „#LNGWSSR“ des Gemeinschaftshauses Langwasser mitgemacht. Mit dem sagenhaften 6 mal 20 Meter großen Kunstwerk wird dem Stadtteil sein Gesicht zurückgegeben, und die Anwohner*innen werden dabei selbst Teil des Kunstwerkes. Weitere Informationen zu der Aktion findet ihr in dem schönen Artikel der Nürnberger Nachrichten.

Das im Nürnberger Stadtteil gelegene Gemeinschaftshaus Langwasser unseres Modellprojektes „#LNGWSSR“ wurde seit Anfang 2018 generalsaniert. In einem kombinierten Verfahren aus E-Partizipation und künstlerischer Aktionen im Stadtteil konnten sich die Anwohner*innen an der Neugestaltung des Bürgerhauses beteiligen. Neben dem Online-Portal gab es aufsuchende und partizipative Elemente, über die die Bürger*innen zum Mitmachen animiert wurden.

Die Broschüre „Gemeinschaftshaus.Neu.Machen – Dokumentation zur Bürgerbeteiligung“ des Gemeinschaftshauses Langwasser stellt die einzelnen Schritte des Beteiligungsverfahren transparent dar. Neben den bürgerorientierten, aktivierenden und künstlerischen Methoden wird auch die breit gefächerte Öffentlichkeitsarbeit zu dem Projekt anschaulich beschrieben. Der Beteiligungsprozess stieß auf eine hohe Resonanz und ist auf andere Städte bzw. Stadtteile gut übertragbar.

Die Broschüre könnt ihr euch HIER ansehen und herunterladen.

Menschen, Orte und Visionen: davon handelt die „Zeile“. Das vom Johannstädter Kulturtreff e.V. herausgebrachte Stadtteilmagazin beschäftigt sich in seiner ersten Ausgabe mit dem Thema Nachbarschaft und dem Zusammenleben im Quartier. Neben den im Rahmen des Modellprogramms „Plattenwechsel. WIR in Aktion“ durchgeführten Aktionen wird vor allen Dingen dem Stadtteil ein Gesicht gegeben: so kommen die Nachbar*innen und Vertreter*innen aus dem Stadtteil-Beirat ebenso zu Wort wie die Orte, Plätze und Wahrzeichen im Kiez sichtbar gemacht werden. Kurz: Alles, was den Stadtteil ausmacht, findet ihr in der schön gestalteten Publikation, die ihr euch HIER komplett anschauen könnt. Übrigens: Im Frühjahr/Sommer soll die zweite Ausgabe des Magazins erscheinen. Wenn ihr euch beteiligen möchtet, dann meldet euch HIER.

Weißt du noch im letzten Jahr… weißt du noch, weißt du noch? Es kann einem schon etwas wehmütig ums Herz werden, wenn man dieser Tage zurückblickt. Vor einem Jahr war die Welt (nun ja, zumindest hierzulande) noch in Ordnung: Soziokulturelle Zentren waren geöffnet, man konnte sich mit vielen fremden Menschen für viele Stunden in einem geschlossenen Raum aufhalten – und das auch noch ohne Maske! Wie zum Beispiel im Gaswerk Weimar, wo das Projekt „Studio Mosaik“ genau heute vor einem Jahr ihren Kulturbrunch ausrichtete.

Hier konnte die Nachbarschaft einen leckeren Brunch auf dem von den Anwohner*innen gestalteten Porzellan-Service unter Begleitung eines Streich-Quartetts genießen. Doch nicht nur der Gaumen wurde verwöhnt: für die Kleinen (und großen Kleinen) wurde ein Puppentheater aufgeführt und die ebenfalls unter Beteiligung der Nachbarschaft entstandenen Stadtteilmöbel standen zum Verweilen bereit. Weitere Informationen über die gesellige, künstlerische und kulinarische Veranstaltung für die ganze Familie findet ihr HIER.

Eine Zeitung für Langwasser, Nürnberg und den Rest der Welt: Unser Nürnberger Modellprojekt #LNGWSSR des Gemeinschaftshauses Langwasser hat die erste Ausgabe ihrer gleichnamigen Stadtteilzeitung veröffentlicht.

„Diese Seiten widmen sich ganz allein dem schönsten und grünsten Stadtteil Nürnbergs mit viel Platz für Geschichten von hier. Voller Neugierde hat sich eine Gruppe Künstler*innen auf Forschungsreise ins Quartier begeben und aufgespürt, was sonst im Verborgenen liegt. Die folgenden 20 Seiten sind prall gefüllt mit Erlebnissen und Erzählungen, Erinnerungen und Visionen, mit nachdenklichen Zeilen, aber auch reichlich Humor.“ (Aus dem Editorial, Team Wir.Schreiben.Geschichte)

Neugierig geworden? Ihr könnt die Zeitung HIER nachlesen und herunterladen.

Die Stadtteilzeitung ist eingebettet in das Projekt „Wir.Schreiben.Geschichte“, in welchem sich Langwasseraner*innen in weiteren Aktionen wie Schreibwerkstätten, Soundcollagen, Arbeiten mit Ton und Theater-AGs beteiligen können. Wenn auch du in Langwasser wohnst und mitmachen möchtest, dann melde dich HIER.

Durch den Kiez flanieren, historische Orte besichtigen und dabei viel Wissenswertes über die eigene Umgebung erfahren: Jetzt alles nicht mehr möglich. Oder vielleicht doch? Unser Berliner Projekt „XB-Lab – Kultur in Kreuzberg“ der Gesellschaft für Humanistische Fotografie (GfHF) e.V. ermöglicht Interessierten mit ihrem digitalen Foto-Spaziergang, Kreuzberg vom Wohnzimmer aus näher kennenzulernen.

Andy Wolff, „ein Kreuzberger Urgestein“, führt darin durch das widerständige Kreuzberg – natürlich SO 36. Dabei berichtet er von dem bürgerschaftlichen Engagement der Anwohner*innen in den 1970er und 80er Jahren, das den Grundstein für die Berliner Hausbesetzerszene legte. Leidenschaftlich erzählt er von der Selbstorganisation der Anwohnerschaft, die zum Ziel hatte, den Kiez nach ihren eigenen Interessen und Bedürfnissen zu gestalten. Wie ein solches Engagement Politik mitgestalten kann, wird ebenso thematisiert wie die Entwicklung neuer Strukturen, die bis heute ihren festen Platz in der Gesellschaft haben – auch über Berlin hinaus. Ganz nebenbei erfährt der Zuschauer etwas über die Entstehung einiger soziokultureller Zentren in Berlin. Also: Bequeme Schuhe an und … rauf auf die Couch!

Als eine erste Aktivität im neuen UTOPOLIS Modellprojekt fand im Johannstädter Kulturtreff in Dresden eine Fotoausstellung „Voll der Osten – Leben in der DDR“ statt. Die Vernissage zur Fotoausstellung von Harald Hauswald, bot den Rahmen für eine Beteiligung an einer Gesprächsrunde.

In den achtziger Jahren zog Harald Hauswald durch Ost-Berlin und fotografierte, was ihm vor die Linse kam, was andere Fotografen übersahen oder für uninteressant hielten: Kleine Szenen des Alltags, einsame und alte Menschen, verliebte junge Pärchen, Rocker, Hooligans und junge Leute, die sich in der Kirche für Frieden und Umweltschutz einsetzten.

In der Gesprächsrunde wurden persönliche Erinnerungen der Besucher*innen an die DDR ausgetauscht wurden und es ging um gegenseitiges Verständnis. Etwa 30 Personen stiegen erstaunlich offen in das Gespräch ein. Im Anschluss hatten sie die Möglichkeit, sich fotografisch porträtieren zu lassen und in einem Kurzinterview ihre Erinnerung an den Mauerfall und die DDR wiederzugeben.

Seit Anfang 2018 wird der größte städtische Kulturladen Nürnbergs, das Gemeinschaftshaus Langwasser, saniert. Während der Schließzeit hat sich die Einrichtung die Aufgabe gestellt, ihr Konzept und Programm zu überarbeiten. Neben der internen inhaltlichen Weiterentwicklung wurde mithilfe des groß angelegten Beteiligungsprojekts „Gemeinschaftshaus.Neu.Machen“ die Stadtteilbevölkerung in die Erneuerung einbezogen. Ziel ist es, die Bürger*innen zu ermutigen, das Kulturprogramm ihres Stadtteils mit zu entwickeln und auch selbst im Kulturladen umzusetzen.

Das Beteiligungsprojekt, das aus diesen Fragen heraus entwickelt worden ist, setzt sowohl auf Vor-Ort-Aktionen im Stadtteil als auch auf Online-Partizipation. Letzteres ist eine Methode, die in den vergangenen Jahren immer größere Anwendung findet. Zugleich sind Online-Beteiligungsprozesse noch stark in der Entwicklung begriffen – gerade im Kulturbereich gibt es wenig Erfahrungen oder feste Handreichungen dafür.

Die Stadt Nürnberg betreibt seit einigen Jahren ein eigenes Portal für e-Partizipationen. Wurde dieses Beteiligungsformat bisher ausschließlich für bauliche Vorhaben genutzt, soll mit dem Projekt „Gemeinschaftshaus.Neu.Machen“ erstmalig die inhaltliche Weiterentwicklung einer kulturellen Einrichtung angegangen werden.

In einem vierwöchigen Zeitraum im Sommer 2019 konnten die Bürger*innen schriftlich ihre Ideen und Visionen für den Kulturladen äußern. Alle Beiträge sind öffentlich einsehbar und stehen zur Bewertung und Diskussion offen. Die Mitarbeiter*innen des Gemeinschaftshauses moderieren die Plattform, sammeln die Beiträge und werten sie anschließend aus. Bis November 2019 werden erste Entscheidungen zur Umsetzung der Vorschläge getroffen und veröffentlicht sein. Anschließend wird zusammen mit Interessierten, die selbst aktiv werden möchten, die Arbeit aufgenommen. Ziel ist es, zur Wiedereröffnung der Einrichtung bereits neue Formate und Gruppen zu präsentieren und zu starten.

E-Partizipation bietet eine sinnvolle Ergänzung zu klassischen Beteiligungsformaten und wird dabei auch dem Anspruch soziokultureller Einrichtungen gerecht: Das Verfahren ermöglicht einen niedrigschwelligen Zugang, da es die Hemmschwelle zur Meinungsäußerung sinken lässt. Die Überwindung, sich bei Vor-Ort-Veranstaltungen zu Wort zu melden oder seine Wünsche mündlich vor einem Gremium vorzutragen, muss hier nicht aufgebracht werden. Auch können die Beiträge zeit- und ortsunabhängig in Ruhe verfasst werden.

Inhaltlich ist es für jede Form der Partizipation wichtig, einen genauen Beteiligungsspielraum auszuloten und nach außen zu kommunizieren. Das heißt, es muss geklärt werden, welche Veränderungen möglich sind und wo die Grenzen der Umgestaltung liegen (zum Beispiel durch bauliche Vorgaben). Nur so können die Ideen und Wünsche der Menschen letztlich auch umgesetzt und das Projekt als erfolgreich wahrgenommen werden. Transparenz spielt also im gesamten Prozess eine wichtige Rolle.

Gerade hierfür bietet die Online-Beteiligung besondere Vorteile. Die Homepage stellt auf vielfältige Weise den Bürger*innen umfassende Informationen zur Verfügung. So werden beispielsweise Verlinkungen zu Vorab-Ansichten des sanierten Gemeinschaftshauses bereitgestellt sowie das Leitbild der Einrichtung, bereits bestehende Angebote, Kooperationspartner und mehr.

Da die Beiträge, Bewertungen und Kommentare der Bürger*innen öffentlich sichtbar sind, werden alle Diskussionen zum Nachlesen dokumentiert. Zudem wird jeder Schritt des Gesamtprojekts verschriftlicht und mit Fotos und Videos veranschaulicht, was zusätzlich für Transparenz sorgt.

Da e-Partizipation nicht alle Menschen erreichen kann, ist es notwendig, begleitend analoge Beteiligungsmöglichkeiten anzubieten. So wird unsere e-Partizipation von Vor-Ort-Veranstaltungen mit kreativen Workshops und Aktionen im öffentlichen Raum umrahmt. Immer mit dabei sind Mitarbeiter*innen, die die Online-Plattform vorstellen und auf Tablets direkt die Meinungen der Bürger*innen festhalten.

Bei allen Vorteilen einer breiten Bürgerbeteiligung darf ein solches Verfahren nicht mit einer bloßen Online-Umfrage verwechselt werden. Es erfordert finanzielle und personelle Ressourcen sowie fachliches Knowhow in Sachen Bürgerbeteiligung und technischer Umsetzung. Dieses Wissen muss unter Umständen extern eingeholt werden.

Wir haben zu diesem Zweck ein Beratergremium einberufen, bestehend aus verschiedenen Dienststellen der Stadt Nürnberg, die bereits mit Online-Beteiligung zu tun hatten. Auch alle Stadtteileinrichtungen und Gremien, die vom Beteiligungsprozess im Gemeinschaftshaus betroffen sein könnten, sind hier eingeladen. Dazu zählen zum Beispiel die Stadtteilbibliothek, die sich im Gebäude des Kulturladens befindet, oder Vertreter*innen des Amts für Digitalisierung, IT und Prozessorganisation, die uns mit ihrer Infrastruktur und ihren Erfahrungen unterstützen. Betreibt man diesen notwendigen Aufwand, kann eine e-Partizipation entscheidend zum Gelingen eines Bürgerbeteiligungsverfahrens beitragen.

 

zum Beteiligungsprojekt „Gemeinschaftshaus.Neu.Machen“: www.onlinebeteiligung.nuernberg.de

Manuela Bernecker, Ruth Olschinski, Wendelin Reichl, Gemeinschaftshaus Langwasser, Amt für Kultur und Freizeit, Stadt Nürnberg

 

 

 

Welche Rolle spielt bürgerschaftliches Engagement bei der Gestaltung des Kiezes und beim Erreichen eines gesellschaftlichen Wandels? Davide Brocchi untersucht in seiner Studie „Große Transformation im Quartier. Wie aus gelebter Demokratie Nachhaltigkeit wird“ sechs Quartiersinitiativen in Bonn, Köln und Wuppertal, die sich für die Gestaltung ihres Stadtteils nach ihren Wünschen und Vorstellungen stark machen. Er zeigt auf, wie die Initiativen partizipativ ihren nachbarschaftlichen Raum mitgestalten und bietet konkrete Handlungsempfehlungen für Institutionen und Zivilgesellschaft.

HIER geht es zur Leseprobe und HIER könnt ihr mehr über den Autor erfahren.

Mobile Stadtspiele sind Schnittstelle von analogem Raum und kreativer Nutzbarmachung von Smartphones. Sie bieten neue Möglichkeiten der Stadterkundung und der Entwicklung kultureller Angebote. In diesem Labor werden theoretische Grundlagen vermittelt und praktische Erfahrungen mittels der „Tempelhofer Schnitzeljagd“ gemacht.

 

Der Workshop vermittelte in drei Schritten die Grundlagen der Spielentwicklung. Ziel war es, die Potenziale des Game Designs als eine innovative und intrinsische Lernmethode den Teilnehmer*innen anhand eigener Erfahrungen näher zu bringen und Überlegungen für kulturelle Angebote an der Schnittstelle von urbanem Raum und der kreativen Nutzung von Smartphones als Instrument der spielerischen Stadterkundung zu erzeugen. Der Workshop bestand aus drei Teilen und einer gemeinsamen Reflektion zu potentiellen Anwendungsmöglichkeiten in soziokulturellen Einrichtungen.

Zuerst wurden die Lieblingsspiele der Teilnehmer*innen in einer Vorstellungsrunde abgefragt und unmittelbar eine Zuordnung in verschiedene Spielformen vorgenommen, z.B. Brettspiele, Computerspiele, Rollenspiele oder Spiele im öffentlichen Raum. Dabei wurde über das Grundprinzip des Spielens diskutiert und auch Erfahrungen aus der Kindheit und somit der Akt des Spielens als einer Urform des »Begreifens« herausgearbeitet.

Darauf folgte eine Gruppenübung, bei der die Teilnehmer*innen bereits zu Spieleentwicklern wurden. Mit Hilfe von drei identischen Gegenständen wurden von acht Gruppen acht verschiedene Spiele erzeugt. Hierbei lernten sie auf unsichtbare Weise (learning by doing, informelles Lernen) Ziel, Mechanik, Belohnung und Regeln zu definieren. Erst bei den anschließenden Präsentationen wurden diese Grundpfeiler des Game Designs besprochen und näher erörtert.

Drittes Element des Workshops war ein mobiles Stadtspiel, bei dem die Teilnehmer*innen in mehreren Teams die unmittelbare Umgebung des Tagungsortes ufaFabrik anhand eines vorgefertigten Schnitzeljagd-Parcours erkunden und dabei über ein Punktesystem miteinander in den Wettbewerb treten konnten. Das zentrale Steuerungselement war eine Smartphone-App, mit der die Teilnehmer*innen Orte finden, Gegenstände entdecken, Fragen beantworten und weitere Aufgaben bewältigen mussten. Dabei wurde auch ein Schwerpunkt auf die lokalhistorische Wissensvermittlung rund um den Bezirk Tempelhof gelegt. Aber auch der günstigste Joghurt im Supermarkt um die Ecke musste innerhalb eines vorgegebenen Zeitlimits käuflich erstanden werden.

Bei der Auswertung wurden die gesammelten Erfahrungen reflektiert und die methodische Nutzbarkeit diskutiert. In der Schnitzeljagd wurde von vielen das Potenzial für eine generationsübergreifende Begegnung (Lebenserfahrung trifft digital Native) entdeckt. Die 30-minütige Spieldesign-Übung war für die meisten Teilnehmer*innen – wie auch für den Workshopleiter – ein tiefgreifendes Erlebnis. Hierbei wurden Teamwork, verschiedenstes Wissen und diverse Fertigkeiten sowie schnelle Entscheidungsprozesse miteinander gekoppelt. Die Teilnehmer*innen äußerten zum Schluss viele Ansätze für den Einsatz von Spielentwicklungsmethoden in der täglichen Arbeit mit unterschiedlichen Zielgruppen der Soziokultur.