Social Body Building

© zeitraumexit e.V.

Drei große Projektbausteine werden nach einer künstlerischen Bedarfsanalyse im Stadtviertel Jungbusch realisiert: In (1) „Foyer“ wird ein Veranstaltungsraum für einen Zeitraum von drei Jahren als offener Begegnungsraum umgestaltet. In einer frei zugänglichen Musikschule sind alle Interessierten wöchentlich zum (2) „Jungbuschensemble“ dazu eingeladen, unter professioneller Anleitung gemeinsam zu musizieren. Im Rahmen von (3) „Getting Local“ wird jährlich ein*e Künstler*im Rahmen einer Residenz ein partizipatives Kunstprojekt im Quartier umsetzen.

 

Situation vor Ort

 

Der Jungbusch gilt als das neue Kreativ- und Szeneviertel Mannheims. Gleichzeitig leben in dem Viertel viele Menschen in prekären Verhältnissen. 62 % der Bewohner*innen haben einen Migrationshintergrund und in den vergangenen Jahren hat sich insbesondere der Anteil südosteuropäischer Arbeitsmigrant*innen stark erhöht. Viele der Menschen sind nicht offiziell gemeldet, sie verfügen über wenige bis keine Deutschkenntnisse und können von Angeboten der Verwaltung oder Trägern kaum erreicht werden. Die hinzuziehende „Creative Class“ hat keinerlei Berührungspunkte mit der im Jungbusch ansässigen „Working Class“. Es herrscht eine Koexistenz, die von starker Ungleichverteilung des sozialen und ökonomischen Kapitals und den jeweiligen Interessen geprägt ist. Resultierende Probleme sind z.B., dass viele der alteingesessenen Bewohner*innen von Mieterhöhungen oder Wohnungsverlust bedroht sind. Die Entwicklungen der letzten Jahre führen zu einem starken Misstrauen und Unsicherheiten gegenüber anderen Gruppen vor Ort und Initiativen der Stadtverwaltung.

 

Die Idee

 

Ziel des Projektes „Vertrauensbildende Maßnahme“ des Zeitraumexit (ZRE) ist, das Vertrauen und die Solidarität zwischen den Gruppen im Jungbusch (wieder) herzustellen. Dies soll anhand von künstlerischen Maßnahmen geschehen, die mit Vielsprachigkeit, kultureller Diversität sowie sozialer Ungleichheit umgehen. Ziele und Ideen der Maßnahme sind z.B.:

  • Partizipation und Teilhabe: Die Anwohner*innen werden aktiv in die Arbeit eingebunden. Regelmäßig finden Plattformen statt, die Raum für Austausch, Diskussion und Kritik bieten. Die Ergebnisse werden mit den Anwohner*innen des Quartiers und einem Nachbarschaftsbeirat gemeinsam ausgewertet und kritisch betrachtet.
  • Offenheit und Vertrauen: Um herauszufinden, wie eine Atmosphäre des Vertrauens hergestellt werden kann, werden Künstler*innen und Wissenschaftler*innen in das ZRE eingeladen, um praktisch, experimentell sowie analytisch zu erforschen, unter welchen Bedingungen Räume zu einem von gegenseitigem Respekt und Vertrauen geprägten Ort werden.
  • Stadt mitgestalten & Empowerment: Die Freiräume in der Stadt sollen durch die Anwohner*innen gestaltet werden. Diese sollen sich als gestaltende Akteur*innen ihres Umfelds wahrnehmen.
  • Vernetzung und Kooperation: Lokale Akteur*innen, Kulturschaffende, die Stadtverwaltung sowie Expert*innen der sozialen Arbeit sollen miteinander vernetzt und die unterschiedlichen Bedarfe und Interessen zwischen den Interessengruppen durch das ZRE vermittelt werden.

 

Aktivitäten und Veranstaltungen

 

Durch einzelne Formate sollen insbesondere die Kinder und Jugendlichen aus dem Quartier, Migrant*innen aus Südosteuropa, Anwohner*innen mit niedrigem Einkommen sowie neu hinzugekommene Bewohner*innen, z.B. Mieter*innen der Immobiliensanierungsprojekte, erreicht werden. Drei geplante Oberthemen sind:

  • „Foyer“: Einer der Veranstaltungsräume des ZRE wird für drei Jahre zum offenen Begegnungsraum umgestaltet und ganztägig zugänglich. Der Raum wird für jeweils drei Monate durch Architektur, Möbel, bildgebende Verfahren, soziale Aktionen, Aufführungen etc. umgestaltet. Im Vorhinein wird recherchiert, welche Bedarfe vor Ort existieren. Es soll eine Situation geschaffen werden, die gegenseitiges Vertrauen ermöglicht und fördert.
  • „Jungbuschensemble“: Ein Musikensemble soll aus Laien und professionellen Musiker*innen aller Alters- und Gesellschaftsschichten in Zusammenarbeit mit einem rumänisch-deutschen Musikpädagogen entstehen.
  • „Getting Local – Künstlerresidenzen“: Über vier Jahre wird pro Jahr ein*e Künstler*in eingeladen, ein langfristiges partizipatives Projekt im Quartier zu realisieren. Dabei soll von den ästhetischen Vorlieben der Anwohner*innen ausgegangen werden.

Die Diversität an Lebensstilen und Milieus im Quartier kann durch das Projekt kennengelernt und in einen Austausch miteinander gebracht werden. So soll der Zusammenhalt des Quartiers gestärkt werden.

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Kontakt

NINA LENZ

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Nina Lenz ist als Staatlich Anerkannte Erzieherin seit 2001 in Berufsfeldern der Sozialen Arbeit (Jugendhilfe, Kindertagesstätten, Offene Jugendarbeit) tätig. Seit 2009 arbeitet sie als freischaffende Theaterpädagogin (BuT) und Regisseurin mit jungen Erwachsenen, Langzeitarbeitslosen, Geflüchteten und Senior*innen. Seit November 2018 ist sie in der Stadtteilarbeit tätig und arbeitet im Künstlerhaus und soziokulturellen Zentrum zeitraumexit in Mannheim im UTOPOLIS-Projekt Social Body Building mit. Ihr wichtigstes Prinzip ist Partizipation.

JAN-PHILIPP POSSMANN

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Jan-Philipp Possmann ist seit 2005 als Dramaturg und Kurator für internationale Performanceprojekte tätig, darunter mehrere Zusammenarbeiten mit David Weber-Krebs und Wilhelm Groener, sowie als Hausdramaturg der Sophiensaele Berlin und Schauspieldramaturg am Nationaltheater Mannheim. Er kuratierte verschiedene internationale Festivals wie Plateaux (Mousonturm Frankfurt), Internationale Schillertage (Nationaltheater Mannheim) und Supercopy (zeitraumexit Mannheim) und entwickelte und leitete Künstlerresidenzen, Ausstellungen und partizipative Projekte in Frankfurt, Stuttgart und Mannheim. Seit 2017 leitet er das internationale Künstlerhaus und soziokulturelle Zentrum zeitraumexit in Mannheim.

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