Auf die Plätze…! Kulturraum Moritzplatz neu entdeckt

Das an das Kulturzentrum Moritzhof angedockte Projekt hat zum Ziel, den Stadtteil wieder attraktiver und vertrauenswürdiger zu gestalten. Der kulturell verwaiste, öffentliche Platz unmittelbar vor dem Zentrum soll zum Mittelpunkt des Verweilens, des Mitmachens und Aktiv-seins werden – bei musikalischen Aktionen mit Chor oder selbstgebauten Instrumenten, bei Nachbar­schaftstreffen mit Aktionen von Flohmarkt bis Urban Knitting und weiteren künstlerischen Angeboten, die u.a. auf Basis von Interviews jugendlicher „Rasender Reporter*innen“ gestaltet werden.

 

 

Situation vor Ort

 

Die Neue Neustadt in Magdeburg gehört zu den Stadtteilen mit den höchsten Anteilen in den Bereichen der SGB-II Empfänger*innen, der Arbeitslosenquote, ausländischen Bevölkerung und der Wanderungsdynamik. Das Quartier befindet sich demnach stetig im Wandel. Insbesondere der Moritzplatz hat sich in den vergangenen Jahren zu einem sozialen Brennpunkt mit medialer Beachtung entwickelt. Der Platz ist zu einem Treffpunkt insbesondere rumänischer Familien geworden. Es kam und kommt zu Beschwerden über die Zustände auf dem Platz sowie den angrenzenden Wohnungen und Straßenzügen in Bezug auf Lautstärke, Sauberkeit und Kriminalität. In den letzten Jahren aufgekommene Bedenken, Vorbehalte und Ängste sind stärker geworden als die Neugier und das kulturelle Interesse.

 

Die Idee

 

Ziel des Projekts „Platz da, hier kommen wir! Kulturraum Moritzplatz neu entdeckt“ ist es, den Moritzplatz und dessen Umfeld in den Fokus zu setzen und wieder attraktiver und vertrauenswürdiger zu gestalten. Als Brennpunkt des in der Vergangenheit problematischen Nebeneinanders von alteingesessenen und zugewanderten Bewohner*innen soll der öffentliche Platz mit partizipativen künstlerischen Maßnahmen zu einem Mittelpunkt des Verweilens, der Begegnung und des Austausches werden. Auf dem Platz sollen daher Aktivitäten aus dem Stadtteil angeboten werden, an denen Jede*r – unabhängig von ethnischer oder sozialer Herkunft sowie von Geschlecht oder Alter – teilnehmen und die Angebote mitgestalten kann.

„Platz da, hier kommen wir!“ möchte dabei die Bewohner*innen der Neuen Neustadt motivieren, selbst aktiv zu werden und sich ihr Quartier mit kreativen und kulturellen Aktivitäten anzueignen. Über das eigene Engagement und Gestalten kann so die Basis für ein stärkeres Gemeinschaftsgefühl geschaffen werden. Zentraler Baustein der Arbeit in dem Projekt ist zudem die Neubelebung des Quartiers durch Kooperationen und Vernetzung. Über das Knüpfen eines Netzwerks – ausgehend vom Moritzplatz, hinein in den Stadtteil – zwischen etablierten und neuen Akteuren soll so die Bildung nachhaltiger Strukturen ermöglicht werden.

Um die Bedarfe im Quartier partizipativ ermitteln zu können, sollen die Bewohner*innen auf verschiedenen Wegen – persönlich sowie online – nach ihren Wünschen befragt werden. Um auf die Befragungen aufmerksam zu machen, werden diese von Begleitveranstaltungen, Flashmob-Aktionen usw. gerahmt und die Ergebnisse öffentlich, z.B. in Form von Ausstellungen, präsentiert.

  • Als erste Aktion dient der in einem leerstehenden Laden temporär eingerichtete „Wünscheladen“ als Ort, um mit Bewohner*innen über ihre Wünsche und Ideen zum Stadtteil ins Gespräch zu kommen sowie über das Projekt zu informieren. Gerahmt von einem bunten Programm für alle Generationen dienen verschiedene Workshops als Vorgeschmack auf mögliche längerfristige Aktivitäten.
  • Es werden mehrsprachige Umfragen entwickelt, die über den Wünscheladen, das Stadtteilmagazin sowie über die sozialen Netzwerke in Umlauf gebracht werden.
  • Neben Straßeninterviews sind auch Befragungen der Bewohnerschaft durch rasende Reporter*innen – Kinder und Jugendliche, die mit Kameras und Mikrofonen ausgestattet sind- geplant.
  • Zudem sind weitere künstlerische Aktivierungsformate wie z.B. Urban Knitting-Aktionen sowie das Einrichten einer mongolischen Jurte auf dem Moritzplatz geplant, die zum Tee trinken und Plaudern einlädt.
  • „Neue Neustadt mit deinen Augen“: Verteilung von Einwegkameras, mit denen die Umgebung aus der eigenen Perspektive festgehalten wird. Die Ergebnisse werden in einer Ausstellung präsentiert. Es wird angestrebt, aus den besten Ergebnissen einen Stadtteilkalender zu generieren.

 

Aktivitäten und Veranstaltungen

 

Die konkreten Maßnahmen und Angebote werden gemeinsam mit den Bewohner*innen abgestimmt und daher erst im Anschluss an die Phase der Bedarfsermittlung entwickelt. Nach dem Stand der bisherigen Befragungen stellen sich der Wunsch nach Verschönerung bestimmter öffentlicher Flächen, die Stärkung des Austausches mit der Nachbarschaft sowie das Interesse an den Bereichen Musik, Bewegung, Fotografie sowie Theater als Anknüpfungspunkte dar. Folgende Projekte und Möglichkeiten sind daher angedacht:

  • Angebot einer Fotowerkstatt, bei der die Teilnehmer*innen zunächst in das Handwerk der Fotografie eingewiesen werden, um dann das Quartier und die Nachbarschaft zu erkunden. Das generationenübergreifende Angebot mit Teilnehmer*innen aus unterschiedlichen Herkunftsländern soll neue Perspektiven auf den Stadtteil eröffnen und über unterschiedliche persönliche Bildsprachen gemeinsam Neues an altbekannten Orten entdecken lassen.
  • Verschönerung von Vermeidungs- und Angsträumen durch z.B. Urban Gardening-Aktionen, künstlerische Gestaltung von Mülleimern, Verteilerkästen etc. sowie Herstellung von Sitzmöbeln für öffentliche Plätze aus Sperrmüll
  • „Rhythmus aus der Tonne“: Initiierung einer Trommelgruppe, bei der Alltagsgegenstände zu Instrumenten werden
  • Einführung eines Stadtteil-TV: Berichte und Geschichten aus dem Quartier werden von und für Bewohner*innen als Beiträge aufbereitet.
  • Gründung einer Tanzgruppe, bei der Kinder mit und ohne Migrations- sowie Fluchthintergrund zusammen kommen
  • „WillkommenHerEinBlick – Wohnzimmertheater. Denn Platz ist in der kleinsten Hütte!“ Mieter*innen stellen ihre Wohnungen für Theaterperformances für eine bestimmte Anzahl von Besucher*innen zur Verfügung. Dabei sollen Geschichten zu den Bewohner*innen und Orten erzählt werden.
  • „Geschichten aus der Neuen Neustadt“. Anwohner*innen werden zu Stadtteilführern ausgebildet, die Anekdoten und Geschichten über ihren Stadtteil erzählen.
  • Gründung eines Bürgerensembles Neue Neustadt. Ausgehend von eigenen Biographien und gesammelten Lebensgeschichten wird ein Theaterstück initiiert und inszeniert, welches die gesammelten Lebensgeschichten beinhaltet und – von und für Neue Neustädter*innen – in Szene setzt.
  • Neben diesen längerfristigen Aktivitäten soll es regelmäßig temporäre Veranstaltungen geben, die den Stadtteil beleben und seine Wahrnehmung verändern sollen. Angedacht sind hierbei z.B. Urban Knitting-Aktionen, kulturelle Zwischennutzungen der zahlreichen Leerstände sowie gemeinsame Picknicke an einer langen Tafel oder Open-Air-Kinovorführungen auf öffentlichen Plätzen.

Die Ergebnisse sollen mehrfach und zu verschiedenen Anlässen präsentiert werden, z.B. im Rahmen des jährlich stattfindenden Sommerfestes auf dem Moritzplatz. Zudem soll ein Dokumentarfilm gedreht werden. Ziel ist, den Moritzplatz wieder zu einem Platz zu machen, an dem jede*r ohne Vorurteile, Vorbehalte, Bedenken und Ängste, sondern vielmehr als Teil einer vielfältigen Gemeinschaft verweilen kann.

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